Die Nummer 5 nach der Nummer 6 aus HdeMs Gesamtwerk

Fleisch auf Senf

Herzog & de Meuron haben einen weiteren Band ihres Gesamtwerks herausgebracht. Langweilig? Falsch! Ein Lehrstück, wie man alles beim Alten lässt und dabei alles erneuert. Und das Cover des Jahres!

Vieles an dem Buch ist bemerkenswert – der Inhalt? Um den soll es hier für einmal nicht gehen. Da wäre zunächst einmal die Farbe des Einbandes: fleischfarbene Schrift auf senfgelbem Leinen. Wer traut sich denn sowas?! Dann: dass der Band 5 eines Gesamtwerkes zwei Jahre nach dem Band 6 erscheint. Aber das gab es bei grossen Literaten ja auch schon, warum also nicht auch bei grossen Architekten? Hier liegt es daran, dass manche der zwischen 2002 und 2004 entworfenen Werke von HdeM etwas länger brauchten, um fertig zu werden. Da überholt schon mal ein Olympiastadion in Peking (Projekt Nr. 226) eine Elbphilharmonie in Hamburg (Projekt Nr. 230) um satte 8 Jahre. Blöde Demokratie.

Klar, HdeM machen es wieder einmal anders als alle anderen. Drum ist wohl am Bemerkenswertesten, dass der zuletzt erschienene Band, eben der senfgelbe fünfte, noch immer brav in der Reihe steht, die die Architekten – schon grossspurig mit ‚Gesamtwerk‘ überschrieben – 1996 begonnen haben. Übrigens mit Band 2. Und beim gleichen Verlag, mit dem gleichen Herausgeber (Gerhard Mack), dem gleichen Farbkonzept (jeder Band eine andere Farbkombination) und prinzipiell auch dem gleichen Inhaltskonzept: Dokus der durchnummerierten Projekte, (bereits erschienene) Texte und Gespräche sowie einen Anhang mit Bibliographie, Biographien der Partner (mit Fotos; Gott, waren die mal jung! Himmel, sind das jetzt viele!), Ausstellungen, Auszeichnungen etc. pp. Halt die Sammlung des Tuns eines der wichtigsten Architekturbüros weltweit.

Und nun kommt doch noch der Inhalt zur Sprache, oder besser: die Parallele des Werks von HdeM und ihrer Buchreihe. Innerhalb des strikten Rahmens erneuerten sie – zwar sanft aber alles: Aufbau, Layout, Typo. Und mit guten Grafikern. Drum hat diese Buchreihe nach einer Menschengeneration nichts an Frische und Aktualität verloren. Das lange Impressum dokumentiert den Werdegang der Gestaltung: «Layout und Covergestaltung Band 1 und 2: Meissner & Mangold, Basel. Redesign und Coverfarben Band 3: Rémy Zaugg, Pfastatt, Frankreich, in Zusammenarbeit mit Katharina Erich, Basel. Konzept und Redesign Band 4 sowie Design und Satz Band 6 und 5: Ludovic Balland Typography Cabinet GmbH, Basel. Band 5 zusammen mit Annika Schering und Jana Lill.» Es folgt das Projektteam von HdeM mit 12 Namen (wie lauten wohl die ersten beiden??), denn, ja, ein Architektenbuch ist immer auch ein Architekturprojekt.

Bei so einem gehaltvollen und schönen Werk blättert man doch gern 156 Franken auf den Ladentisch von Hochparterre Bücher (online geht auch). Sonst wäre die Reihe im Regal ja auch unvollständig …

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