Ernst A. Heiniger war weit mehr als geistiger Landesverteidiger, schreibt Stadtwanderer Benedikt Loderer.

Ein kunstvoller Techniker

Ernst A. Heiniger ist eine Wiederentdeckung. Der Retoucheur, Fotograf, Buchmacher, Kameramann, Regisseur, Erfinder, Reisende hinterliess ein umfangreiches Archiv. Ausstellung und Katalog sind anschauenswert.

Heiniger? Ein Fotograf? Da war doch was und siehe, ich fand in meiner Bücherwand «LA-Das Fotobuch der Landesaustellung, ein Bildband mit 109 Aufnahmen». Es stand dort in der Abteilung «Ausstellung» und keineswegs des Fotografen wegen. Den hielt ich, als ich das Buch 1985 für acht Franken kaufte, für einen geistigen Landesverteidiger, zwei Jahre älter ist als mein Vater, sie schienen aus demselben Holz geschnitzt. Dann fuhr ich nach Winterthur, wo die Fotostiftung Schweiz noch bis zum 10. Oktober Heiniger eine Ausstellung einrichtete, sah sie an und kaufte den Katalog. Ein geistiger Landesverteidiger war Ernst A. Heiniger gewiss, damals 1939, als das alle waren. Doch er war weit mehr und das Mehr ist nun mit Ausstellung und Katalog wieder aus dem Vergessen aufgetaucht. Ich musste einiges nachholen. Ernst A. (welcher Name sich hinter dem A verbirgt, fand ich nicht heraus), also Ernst A. Heiniger (1909-1993) ist ein Ländler aus dem Thurgau, der auf dem Bauernhof aufwächst und mit 16 von zuhause abhaut, eine Lehre als Positivretoucheur abricht und sich als Retoucheur selbständig macht. Er bringt sich selbst das Fotografieren bei und reist 1932 in die Sowjetunion, wird Mitglied des Schweizer Werkbundes, gründet mit Heiri Steiner zusammen ein Atelier für Grafik und Fotografie. Heiniger ist ein Mann des Neuen Sehens und der neuen Sachlichkeit. Nicht nur, denn 1936 reist er nach Ungarn. Das Ergebnis ist sein erstes Fotobuch «Pustza-Pferde», das reichlich romantisch daherkommt. Die nächsten Bände «LA-Das Fotobuch der Landesausstellung», «Viertausender» und «Tessin» sind zeitgeistig-landesverteidigend. Doch macht er gleichzeitig für die Post während Jahren sachliche Aufnahmen, ebenso für eine Federfabrik. Dann entdeckt Heiniger den Film für sich, wird Kameramann bei «Sül Bernina» und dreht den Film «Das Telefonkabel». 1953 wird Heiniger entdeckt. Von keinem gerin...
Ein kunstvoller Techniker

Ernst A. Heiniger ist eine Wiederentdeckung. Der Retoucheur, Fotograf, Buchmacher, Kameramann, Regisseur, Erfinder, Reisende hinterliess ein umfangreiches Archiv. Ausstellung und Katalog sind anschauenswert.

E-Mail angeben und weiterlesen:

Dieser Beitrag ist Teil unseres Abos. Trotzdem möchten wir Ihnen Zugriff gewähren. Geben Sie uns Ihre E-Mail-Adresse und wir geben Ihnen unseren Inhalt – Deal?