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Shelley McNamara an der Architekturbiennale 2012 in Venedig.

Von Dublin hinaus in die Welt

Seit ihren Universitätsbauten in Mailand und Lima sonnen sich Grafton Architects im internationalen Rampenlicht. Ihre Dubliner Wurzeln haben Yvonne Farrell und Shelley McNamara deswegen nicht vergessen.

Dieser Text erschien im Rahmen des Biennale Countdowns im März 2018. Wer die Welt erobern will, braucht tiefe Wurzeln. Sonst verliert er den Halt. Yvonne Farrell und Shelley McNamara wissen genau, wo sie herkommen. Ihr Arbeitsmittepunkt ist Dublin. Dort lernten sie sich Anfang der 70er-Jahre am University College kennen, an dem sie nach Abschluss über dreissig Jahre lang unterrichteten. Dort gründeten sie 1978 zusammen mit Shay Cleary, Tony Murphy und Frank Hall das Büro Grafton, benannt nach der Grafton Street, einer Einkaufsmeile im Zentrum. Und in Dublin realisierten sie fast alle Projekte, bevor sie nach 25 Jahren erstmals ausserhalb Irlands arbeiteten. Dublin, das ist ihre Stadt. Sie planten ein Kino, einen Platz, ein Wohnhaus, ein Kunstzentrum, ein Hotel, eine Feuerwehr, eine Bibliothek, ein Bürogebäude – und immer wieder: Schulen. Bildungsbauten wurden zu ihrer wichtigsten Aufgabe, auch später im Ausland. In Irland, das in den Jahrzehnten drei Rezessionen durchmachte, bedeutete das oft: sparen. «Wir arbeiteten und lernten an Gebäuden mit sehr bescheidenem Budget», sagten die beiden, als sie ihre Arbeit 2014 an der ETH Zürich präsentierten. Über die Jahre wechselten die Partner bei Grafton Architects, Farrell und McNamara blieben. 2002 setzten sie zum Sprung an und gewannen den Wettbewerb für einen ganzen Stadtblock der Universität Bicocca in Mailand. Als die Auftraggeber nach Irland reisten, um ihre bisherigen Arbeiten anzuschauen, wurden die Architektinnen nervös. Ihr grösstes Projekt bis dahin umfasste 80 Wohnungen. Und nun sollten sie 60'000 Quadratmeter verplanen? Doch sie durften ihr Versprechen halten. Und wie. 80 auf 160 Meter misst der Steinblock, den sie virtuos aufbrachen und einschnitten. Neun Meter unter die Erde holten sie das Licht, darüber liessen sie das Auditorium 22 Meter weit auskragen. «Die Struktur wird durch das Licht aufgelöst», bes...
Von Dublin hinaus in die Welt

Seit ihren Universitätsbauten in Mailand und Lima sonnen sich Grafton Architects im internationalen Rampenlicht. Ihre Dubliner Wurzeln haben Yvonne Farrell und Shelley McNamara deswegen nicht vergessen.

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