Gottfried Böhm, 1920-2021, Foto: Real Fiction / Cineworx Fotos: Wikimedia Commons

Mit Beton gen Himmel

Wenn ein Architekt über hundertjährig stirbt, ist sein Werk längst Teil der Baugeschichte. Die Kindergeneration hadert damit und die Enkelgeneration entdeckt es für sich. So wie im Fall von Gottfried Böhm.

Gottfried Böhm ist tot. Der Satz ist irgendwie unwirklich. Er ist gar nicht so schockierend, wie das, was er sagt. So wie die Nachricht vor acht oder neun Jahren vom Tod Oscar Niemeyers. Beide Architekten waren über hundert Jahre alt. Beide zogen ihre manierierten Linien bis zum Schluss. Und mit beiden verband die ganze Welt einen bestimmten ikonischen Baustil, postmodern und pritzkerpreisgestempelt (Böhm 1986, Niemeyer 1988). Dass sie danach noch eine, nein, fast zwei Generationen weiterbauten – geschenkt. Manche machen Altersgymnastik, andere halten sich zeichnend fit. ###Media_2### Ich bin Gottfried Böhm nie begegnet. Obwohl wir aus der gleichen Gegend von Deutschland kommen, dem Rheinland. Dort steht an jeder Ecke ein ‘Böhm’. Zum Beispiel wenige hundert Meter von meinem Elternhaus entfernt, in Düsseldorf-Garath, die ‘Betonkirche’, wie wir sie immer leicht abschätzig nannten, mit Altersheim. Beton, ja, aber auch Ziegel und knallorange gestrichen. Wenn ich mir heute die Bilder ansehe, kan...
Mit Beton gen Himmel

Wenn ein Architekt über hundertjährig stirbt, ist sein Werk längst Teil der Baugeschichte. Die Kindergeneration hadert damit und die Enkelgeneration entdeckt es für sich. So wie im Fall von Gottfried Böhm.

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