Einfach, zart farbig und brutal klein: Wohnraum in der WOBA-Siedlung, Basel. Fotos: Armin Schärer

Existenzminimum live

Die frühmoderne WOBA-Siedlung in Basel ist die radikalste ihrer Art, aber kaum bekannt. Nun hat ein Verein ein Haus von Artaria & Schmidt restauriert und möbliert. Auch bewohnt soll es zugänglich bleiben.

Noch bevor der Schweizerische Werkbund mit Neubühl seine bekannte Mustersiedlung in Zürich baute, war er woanders aktiv. Im Rahmen der 1. Schweizerischen Wohnungsausstellung Basel (WOBA) entstand dort 1930 die WOBA-Siedlung, gleich hinter dem Badischen Bahnhof. Die hiesige Creme des Neuen Bauens, darunter Werner Max Moser, Maurice Braillard, Karl Egender oder Hans Bernoulli, experimentierten mit neuen Bautechniken und Minimalwohnungen «für das Existenzminimum».

Obwohl es sich um die inhaltlich radikalste Siedlung des Neuen Bauens handle, friste die Siedlung im Unterschied zu Weissenhof oder Neubühl ein Schattendasein – findet der Verein ‹Ein Haus WOBA›. Und möchte das ändern. Von der Genossenschaft mietete er ein von Artaria & Schmidt geplantes Reihenhaus, restaurierte und möblierte es im Innern originalgetreu. Nun lässt sich hier die Frühmoderne wieder ‹live› erleben: mit grau gestrichenem Holz, farbigem Linol und dem originalen Siedlungsherd. Der ‹Rücken-an-Rücken-Haustyp› ist an Effizienz nicht zu überbieten: Auf lediglich 45 Quadratmetern lebte eine vierköpfige Familie und bot zur damaligen Zeit mit eigenem Bad, WC und Waschküche einer Arbeiterfamilie einen ungewohnt fortschrittlichen Komfort. Die Jahresmiete betrug 876 Franken.

Den Vorstand des Vereins bilden der Kunsthistoriker Benjamin Adler, der Architekt Lukas Gruntz und der Architekturhistoriker Klaus Spechtenhauser. Mit dem Haus wollen sie ein wichtiges Baudenkmal der Moderne in Basel erhalten und gleichzeitig günstigen Wohnraum schaffen. Das Haus mit der Adresse Im Surinam 126 soll nämlich nicht nur der Öffentlichkeit durch Führungen zugänglich sein, sondern auch zwei Studierenden als spartanischer Wohnort dienen.

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