Diese Kartonwürfel stapeln sich bald in europäischen Hochschulen. Fotos: Axel Simon

Auf der Suche nach sozialer Nachhaltigkeit

Der internationale Schindler Award «Acces for All» soll alle zwei Jahre junge Architekten motivieren, sich mit den Bedürfnissen von Behinderten auseinanderzusetzen. 2012 steht ein Entwicklungsgebiet in Bern im Fokus. Am Montag ist Anmeldeschluss. Eine Woche später fragt sich die Paulus Akademie im Zürcher Volkshaus: «Bauen für alle?»

Gestern lud die Schindler Aufzüge AG in eine ihrer schönen Werkhallen in Ebikon. Die kleine Ausstellung, auf die man dort anstiess, soll in den nächsten Monaten touren und an den Architekturhochschulen Europas für den Schindler Award werben – und für die dahinter stehende Botschaft «Acces for All», Zugänglichkeit für Alle.
Wie verkürzt es ist, vom barrierefreien Bauen zu sprechen und nur Rollstuhlfahrer vor Augen zu haben, machte das Jurymitglied Stefan Zappa in seinem Vortrag klar. Der stark sehbehinderte Präsident der Stiftung Blind-Liecht, die in Zürich das Dunkelrestaurant Blindekuh betreibt, meint, nicht bauliche Hindernisse seien für Blinde das Problem, sondern beispielsweise die fehlende Orientierung in offenen, weiten Räumen. Dass auch das gestalterische Eingehen auf Behinderungen sexy sein kann beweise das iPhone: Dank der neuentwickelten Sprachsteuerung liest das schicke Gerät vor und schreibt das, was es hört; etwas was andere Smartphones noch nicht hinbekommen. Über 17 Prozent der Schweizer seien laut Zappa in irgendeiner Weise behindert. Das sei auch ein nicht unerhebliches Kundensegment!
Die Veranstaltung, an der noch weitere Jurymitglieder sprachen, zeigte: Der internationale und mittlerweile sehr bekannte Studentenwettbewerb soll alle zwei Jahre junge Gestalter motivieren, sich mit den Bedürfnissen von Behinderten auseinanderzusetzen. Dieses Mal gilt es ein «städtebauliches Notstandsgebiet» in Bern zu lösen: die Schützenmatt rund um die Reitschule. Die Anmeldung läuft noch bis kommenden Montag, den 30. April. Bisher seien rund 1000 Anmeldungen eingetroffen, ungefähr gleich viele, wie letztes Mal. Jurypräsident ist der ETH-Professor Kees Christianse. Alle weiteren Infos gibt es auf der Webseite.
«Bauen für alle?» Das fragt sich übrigens auch die Paulus Akademie am Montag, den 7. Mai 2012, ab 19.00 Uhr im Zürcher Volkshaus. Dort diskutieren Fachleute des «Universal Design» (was nichts anderes meint als «Acces for All») mit der Architektin Anne Uhlmann.
Hochparterre bleibt dran!
 

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