Eine direkte, individuelle Interaktion mit der Abstimmungsgeschichte. (Bild von Matthias Pfammatter)

Wie sich Demokratie entwickelt

Für seine Bachelorarbeit ‹Urnengang› hat Timo Baumann eine datengesteuerte Installation entworfen, die alle nationalen Abstimmungen seit 1848 visualisiert. Im Campus-Beitrag stellt er sein Projekt vor.

Das Ziel meines noch jungen Studiengangs ‹Data Design + Art› ist das Vermitteln von komplexen Zusammenhängen durch Aufbereitung von Daten mittels Informationsgrafik, Visualisierung oder Inszenierung. Für meine Bachelorarbeit suchte ich entsprechend ein Thema, das gesellschaftlich relevant ist und über eine fundierte Datengrundlage verfügt.

Ich habe mich für das Thema ‹Direkte Demokratie Schweiz› entschieden. Dabei spielen Volksabstimmungen eine zentrale Rolle, als Instrument der Veränderung und als Spiegel der Gesellschaft. An jedem Abstimmungssonntag wächst der Datenbestand, der es erlaubt, die Entwicklung der demokratischen Prozesse zu beobachten. Ich kann diese Geschichte von Beginn bis in die Gegenwart anhand von Zahlen aufzeichnen, weil die direkte Demokratie Stimmen zählen muss, damit die Mehrheit entscheiden kann – auch wenn sie immer eine Minderheit ist.

Künstlerische Inszenierung mit einer wissenschaftlichen Genauigkeit. (Bild von Matthias Pfammatter)

Zum Forschen auf ‹Pause› drücken. (Bild von Matthias Pfammatter)

Die Forschung zu diesem Thema ist endlos, jeder Aspekt wurde bereits analysiert und niedergeschrieben. Dazu trage ich nichts bei, schliesslich will ich Designer und nicht Denker sein. Als Designer habe ich ein Gestaltungsraster entwickelt, programmiert, mit den gesammelten und formatierten Daten bespielt und zum Schluss an eine Wand projiziert. Die Projektion soll ein niederschwelliger, visueller Einstieg in den Datensatz sein. Ich vermittle keine komplexen Zusammenhänge, sondern lade dazu ein, die politische Geschichte der Schweiz als fortlaufenden Prozess zu erkunden.

Die Installation greift den persönlichen Akt des Urnengangs auf. Die betrachtende Person interagiert mit ihr direkt über eine Steuerung auf Hüfthöhe. Sämtliche Abstimmungen werden im Schnelldurchlauf aufgerufen. Damit die Nutzer*innen den Datensatz erforschen können, müssen sie auf ‹Pause› drücken. Dann können sie nachvollziehen, wie sich die Stimmberechtigung oder die Stimmbeteiligung verändert, alte absurd erscheinende Vorlagen betrachten und erkennen, wer sie befürwortet hat.

Daten wurden formatiert, programmiert und an die Wand projiziert.

Alle nationalen Abstimmungen seit 1848.

Meine Arbeit ist eine künstlerische Inszenierung, die von ihrer wissenschaftlichen Genauigkeit lebt, da sie von den Daten gezeichnet wird. Die Zahlen sind sichtbar, damit die Nutzer*innen ihre Glaubwürdigkeit überprüfen können. Die Arbeit soll zum Denken anregen, denn politisches Interesse ist wichtig in einer Demokratie.

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