Spielräume für Demokratie
Pascal Lüthi hat in seiner Bachelor-Arbeit in Industrial Design an der HGK Basel FHNW das Brettspiel ‹How to Demokratie› entworfen. Im Campus-Beitrag erzählt er, wie er damit demokratische Werte stärken möchte.
Im Brettspiel ‹How to Demokratie› schlüpfen Spieler*innen in unterschiedliche politische Rollen. Sie diskutieren, stimmen ab und gestalten gemeinsam eine Spielwelt. Analoge Elemente schaffen Nähe zur Realität, eine digitale Ebene hält das Spiel dynamisch und variabel. Das Projekt ist meine Bachelor-Arbeit, die im Studiengang Industrial Design an der Hochschule für Gestaltung und Kunst Basel FHNW entstanden ist.
Wieso das Thema Demokratie?
Ich möchte demokratische und soziale Werte stärken. Das ist eine Reaktion auf politische Unsicherheiten und eine gefährliche Verschiebung des Diskurses hin zu rechtspopulistischen Positionen. Wenn Ideen von antidemokratischen Bewegungen und Parteien in den Mainstream driften, besorgt mich das. Ich will mit dieser Arbeit Wege öffnen, den Durchblick in unserem politischen System zu bekommen und einen Zugang dazu zu schaffen. So soll der Schritt von politischem Interesse zur Teilnahme leichter werden, gerade in der Schweiz mit direkten Volksabstimmungen. Das ist wichtig, wenn wir mitbestimmen wollen, wie unsere Zukunft aussieht. Dies ist Thema in meiner Theoriearbeit, in der ich mich unter anderem mit der Aushandlung von Zukunftsvisionen auseinandersetze. Genau für solche Aushandlungen möchte ich einen Raum gestalten.
Wieso ein Spiel?
Spiele vermitteln als interaktives Medium Inhalte anders als Texte. Zum Beispiel können Spieler*innen Wissen durch ein Spiel in demselben Kontext erleben, in dem es relevant ist und eingesetzt werden soll. Diese Eigenschaft möchte ich für das Projekt nutzen. Spiele sind kleine Systeme: Elemente greifen ineinander, reagieren auf Inputs und erzeugen Outputs. Das passt als Format gut zum demokratischen System der Schweiz. Einen weiteren Vorteil sehe ich in der direkten Interaktion zwischen Menschen. Deshalb wollte ich mich mit dem Format Spiel befassen und seine Dynamik gestalten.
Wie sieht der Designprozess aus?
Zu Beginn analysierte ich den politischen Kontext, vergleichbare Projekte und meine Zielgruppe von 15- bis 25-Jährigen. Ich legte fest, wie sich das Spiel anfühlen soll und entwickelte darauf basierend erste Mechaniken. Dafür entwarf ich Spielelemente, zum Beispiel die Karten. Ich überlegte mir, wie diese Elemente miteinander verknüpft sind und testete sie in Proberunden. So konnte ich sehen, wie Spielfluss und Dynamik zwischen den Spieler*innen funktionieren. In der ersten Testrunde übernahm ich selbst die digitale Ebene, setzte mich mit meinem Laptop daneben und begleitete die Gruppe durch das Spiel. Das Feedback half mir, das Konzept weiterzuentwickeln.
Was erleben die Spieler*innen?
In ‹How to Demokratie› sitzen Spieler*innen an einem Tisch, vertreten politische Rollen und diskutieren aus den entsprechenden Blickwinkeln. Sie stimmen ab, reichen Initiativen ein und erleben, wie ihre Entscheide das gemeinsame Spielfeld und sechs konzipierte Zukunftsfaktoren verändern. Werden Faktoren wie Umwelt, Bildung oder Wirtschaft vernachlässigt, können überraschende Ereignisse den Spielverlauf verändern. Am Ende sehen alle, wohin ihre Politik geführt hat. Die Abstimmungen laufen über eine digitale Anwendung. Darin können verschiedene Abstimmungsvorlagen vorgestellt werden, so dass sich das Spiel immer wieder neu erleben lässt und auf Aktualitäten abgestimmt werden kann. Unterschiedliche Rollenbeschreibungen schaffen zusätzliche Abwechslung.
Wie geht es weiter?
Der direkte Kontakt mit Menschen, zum Beispiel an der Newcomer-Ausstellung den ‹Zurich Design Weeks 2025›, hat mir gezeigt, welche Erwartungen und Hoffnungen mein Spiel weckt. Dieses Feedback hat meine Perspektive erweitert und Lust darauf gemacht, mit ‹Studio Wandel› weiter daran zu arbeiten. Ich merke, wie wichtig diese Gespräche sind, um ‹How to Demokratie› näher an die Vision eines Miteinanders zu bringen. Ich bin dankbar für all die Unterstützung und Offenheit, die ich unterwegs erfahren habe.
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*Pascal Lüthi hat im Sommer 2025 sein Bachelor-Studium im Studiengang Industrial Design am Institute Contemporary Design Practices (ICDP) der HGK Basel abgeschlossen. Er ist Mitglied bei ‹Studio Wandel› und macht zurzeit ein Praktikum beim Spiele-Verlag Helvetiq.