Skizzen, Stadtleben, Schokolade
Im Austauschsemester an der Universität in Gent erleben die HSLU-Studentinnen Chiara Moschen und Lilian Maag, wie unterschiedlich Innenarchitektur in Belgien und der Schweiz gelehrt wird.
Es ist November, draussen herrschen milde Temperaturen und wir treffen uns in einem Café am Korenmarkt, mit Blick auf die drei historischen Türme von Gent. Wir sprechen über die vergangenen zweieinhalb Monate an der Katholieke Universiteit Leuven. Obwohl objektiv nicht viel Zeit vergangen ist, kommt es uns länger vor, weil das Einleben in Gent und das Ankommen in der Stadt ganz natürlich verlief. Gent und die Luzern teilen viele kulturelle Gemeinsamkeiten: eine starke historische Identität, eine ausgeprägte Wertschätzung für Qualität - sei es in der Architektur oder im Alltag – und die Vorliebe für gute Schokolade.
Wir hatten vorher noch nie längere Zeit im Ausland verbracht und wollten uns diese Erfahrung nicht entgehen lassen. Mit der Motivation, uns persönlich und akademisch weiterzuentwickeln, starteten wir ins Austauschsemester.
In Gent belegen wir ein interdisziplinäres Modul und entwerfen gemeinsam mit den belgischen Studierenden die Umnutzung eines ehemaligen Schleusenhauses an der Schelde. Auf einer Insel zwischen zwei Flussarmen planen wir einen Club, wobei uns die Aufgabe viel Interpretationsspielraum lässt. Um den Ort genauer zu analysieren, laufen wir über die Insel, messen Wege, beobachten die Strömung des Wassers und merken schnell, dass die Insel auch tagsüber Leben braucht, weil sie mehrere Quartiere verbindet.
Unser erster Ansatz schafft einen naturnahen Rückzugsort, der bei Tag Erholung für Anwohnerinnen und Passanten bietet und sich in der Nacht in einen lebendigen Raum voller Musik und Dynamik verwandelt. Im Zentrum des Entwurfs steht eine Öffnung in der Fassade und im Dach des Schleusenhauses. So fällt mehr Licht ins Gebäude und die Grenze zwischen Innen und Aussen verschwimmt. Der zweite Ansatz schafft einen kulturellen Spielplatz, der Menschen rund um die Uhr einbindet. Im Wasser planten wir einen blauen Turm, der von einem Metallgerüst ummantelt ist. Er dient als Kunstinstallation und als verbindendes Element zwischen den Quartieren. Beide Ansätze setzten auf eine Mehrfachnutzung, um die Fläche sinnvoll zu beleben.
An der Hochschule Luzern arbeiten wir häufig mit Plakaten und technischen Plänen, während wir in Gent viel skizzieren und schnelle Modelle bauen. Beide Herangehensweisen fordern uns auf unterschiedliche Weise heraus und erweitern unser fachliches Verständnis. In Gent können wir unsere Ideen künstlerisch umsetzen, in Luzern lernen wir, praxisnah und strukturiert zu arbeiten. Dieser Vergleich zeigt, wie verschieden Lern- und Arbeitsweisen sein können und wie wertvoll es ist, beide Perspektiven zu erfahren.
Jetzt sitzen wir hier, geniessen unseren Kaffee und freuen uns auf die letzten Wochen in Gent und auf den Semesterendspurt zurück in Luzern.
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* Chiara Moschen und Lilian Maag studieren im 5. Semester Innenarchitektur an der Hochschule Luzern und absolvierten ein Austauschsemester an der Katholieke Universiteit Leuven in Gent.