Reparieren grundsätzlich
Die Studierenden der ArchitekturWerkstatt St. Gallen haben ‹Reparieren› zum Jahresmotto gemacht. In der ‹All School Charrette› haben sie ein ehemaliges Wohn- und Gewerbehaus analysiert und repariert.
Kaufen, gebrauchen, wegwerfen, neu kaufen – diese wenigen Worte beschreiben nicht nur den Lebenszyklus eines Gegenstandes, sondern können auch auf den Bauprozess übertragen werden: Bauen, nutzen, abreissen, neu bauen. Diesem Trend zum Trotz hat sich die ArchitekturWerkstatt St.Gallen in der ‹All School Charrette 2025›, der gemeinsamen Projektwoche zum Auftakt des neuen Studienjahrs, dem Reparieren gewidmet und den Begriff auch gleich zum Jahresmotto erhoben. Wir widmeten uns einem kaputten oder defekten Gegenstand, der durch eine Reparatur wieder zum Leben erweckt werden oder ein neues, anderes Leben bekommen sollte. Als Inspiration für die anstehende Auseinandersetzung besuchten wir verschiedene Reparatur-Werkstätten in der Region St. Gallen, wie beispielsweise die Werkstätten der Obvita, die Velo-Projekt-Werkstatt oder die Hauswartung der OST. Anregende Inputs zum Thema Reparieren von menschlichen und architektonischen Körpern gaben uns Claudia Lenz, Thomas Metzler und Ueli Vogt mit auf den Weg.
Im Sinne des Jahresmotto beschäftigen wir uns auch in den verschiedenen Bachelor- und Masterkursen des Jahres mit der Sanierung eines Gebäudes. Das ehemalige Wohn- und Gewerbehaus an der Geltenwilenstrasse in St. Gallen wurde der ArchitekturWerkstatt von der städtischen Verwaltung als Laboratorium zur Verfügung gestellt. Das verschachtelte, in der Vergangenheit immer wieder veränderte Haus wird von den Studierenden analysiert, interpretiert und neu entworfen, beziehungsweise eben repariert. Erste Ideen dazu konnten wir bereits in der zweiten Hälfte der ‹All School Charrette› erarbeiten, indem wir gruppenweise Aspekte wie die Hülle, die Struktur und die Transparenz des Gebäudes untersuchten oder das Haus nach den Begriffen Voll, Weich oder Farbe untersuchten. In den nachfolgenden Wochen entwarfen wir diverse Stadtbilder, Schwarzpläne und Modelle, die das bestehende Gebäude oder eine reparierte Form davon visualisierten. Diese Entwurfsschritte entwickelten wir über drei Wochen hinweg, sodass sich im Prozess ein Zusammenhang von Bauten, Gelände und Situation rund um die Geltenwilenstrasse ergab.
Der Prozess des Reparierens lädt dazu ein weiterzudenken. Es geht nicht nur darum, die ursprüngliche Form eines Objekts wieder herzustellen, sondern es zu verbessern oder weiterzuentwickeln. Heutzutage ist Reparieren nicht nur in der Architektur ein spannender Ansatz, sondern er prägt auch unseren Alltag.
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* Silvan Kolb studiert im x. Semester Architektur an der ArchitekturWerkstatt der Ostschweizer Fachhochschule in St. Gallen.