Selber Hand anlegen

Die Treppe als soziale Landschaft

Um den alten Gleishof auf dem Campus der HGK Basel FHNW aufzuwerten, haben Studierende der Innenarchitektur und Szenografie eine Aufenthaltsmöglichkeit entworfen und eigenhändig gebaut.

Durch den Campus der HGK Basel auf dem Basler Dreispitz-Areal verlaufen bis heute alte Abstellgleise, auffällige Überreste des ehemaligen Industriegebiets. Heute dienen diese Flächen als Pausenort für die Studierenden. Um diesen Ort attraktiver zu machen, erarbeiteten wir eine Aufenthaltsgelegenheit, die von einer Rampe über die Industriegleise auf den tiefergelegenen Kiesweg führt. Nachdem wir den Standort analysiert hatten, wurden unsere ersten szenografischen Ideen schnell durch die komplexen Rahmenbedingungen aus Normen und Sicherheitsaspekten in Frage gestellt. Eine weitere Hürde war, dass unser Eingriff zwei unterschiedlich hohe Ebenen verbinden und für einen Durchgang sorgen sollte.

Der alte Gleishof vor dem Ateliergebäude der HGK Basel

Normraster der Treppe im 1:10-Modell

Wir setzten uns mit den Eigenschaften von Treppen und Aufenthaltsorten auseinander, um die gewünschten Qualitäten zu eruieren. Anfänglich betrachteten wir die beiden Bereiche getrennt, da die Sicherheitsnormen einer Treppe kaum Raum für eine spielerische Nutzung bieten. Trotzdem entschieden wir uns im Verlauf der Analyse, die beiden Themen zu vereinen. Wir begannen die Treppe als vertikale Erschliessung offener zu denken und loteten die Grenzen der klassischen Normen aus. Im Dialog mit den für die Sicherheit des Campus zuständigen Menschen ergab sich die Möglichkeit unser Objekt als ‹Kunst am Bau› einzustufen und wir gewannen zusätzlichen Gestaltungsraum. Uns begleiteten Fragen wie: Muss jeder Tritt die gleichen Masse haben? Gibt es einen klar erkennbaren Laufweg über das Objekt? Wie können wir eine gestalterische Einheit erzielen? Kann eine vertikale Erschliessung verspielt und sicher sein? Um unsere Überlegungen ins Räumliche zu übertragen, erstellten wir ein an den Standort angepasstes Raster aus Schritt- und Treppennormen. Dieses diente uns als Anhaltspunkt, um verschiedene Entwürfe zu entwickeln. Das 1:10-Modell wurde zum entscheidenden Werkzeug, um mit dem um mit Platzverhältnissen, Massstäblichkeiten und Form umzugehen. Wir entwarfen digitale 3-D-Modelle und suchten nach einer gestalterischen Sprache, die unterschiedliche Funktionen und eine visuell spannende Topografie zulässt. 

Skizzen und 3D-Visualisierungen

Masse und Sitzwinkel zu überprüfen

Wir empfanden die Möglichkeiten klassische Treppenstufen zu gestalten zunehmend als Einschränkung und verabschiedeten uns von einer rechtwinkligen Topologie. Wir entwickelten ein Konzept aus horizontalen und geneigten Flächen, von denen wir uns mehr Aufenthaltsqualität versprachen. So konnten wir funktional und visuell ansprechende Formen kombinieren. Wir testen die ergonomische Wirkung unserer Formen, indem wir sie sinnlich erfahren und Parameter wie Sitzwinkel, Auftrittshöhe und Liegetiefe definieren. Daraus ergab sich ein Objekt aus Modulen, die als Sitz- und Liegeflächen funktionieren und zum gemütlichen Anlehnen, aber auch zum spielerischen Darübergehen einladen. Als zusätzliche Funktion haben wir Tischflächen in die Gestaltung integriert, um soziale Begegnungen zu fördern. Die Tische machen die Treppe zur funktionellen sozialen Landschaft. Das Leitmotiv der Treppe half uns, den Übergang zwischen zwei Ebenen zu verstehen, zu hinterfragen und neu zu interpretieren. Es entstand eine Architektur, die sich zwischen den Kategorien bewegt. ‹Perron› ist sowohl Durchgang als auch Aufenthaltsort und wertet das alte Gleisbett gezielt auf. Das Objekt sticht heraus, weil die Holzbretter mit der metallenen, rosa lackierten Unterkonstruktion kontrastieren.

Selber Hand anlegen

‹Perron›, der neue Durchgang und Aufenthaltsort

Um Probleme erfolgreich zu lösen, hinterfragten wir unsere Entscheidungen regelmässig. Eine transparente Kommunikation war wichtig, um Vertrauen aufzubauen und die Arbeitsschritte aufzuteilen. Der Schlüssel zu einer effizienten Arbeitsweise waren konstruktive Diskussionen und fundierte Argumentationen.  Als Team haben wir versucht die Perspektiven und Haltungen des Gegenübers wahrzunehmen, zu verstehen und gemeinsam weiterzuentwickeln. Durch die harmonische Zusammenarbeit blieben wir motiviert und konnten uns gegenseitig pushen. Dank der gebündelten Energie unseres Teams, zu dem auch Valeria Favatà und Xiaoyan Zheng gehörten, unterstützt von Christoph von Arx und Kurt Küng von den Campus-Werkstätten, verlief die Umsetzung reibungslos und führte zu einem gelungenen Endprodukt. Wir sind der Meinung, dass ‹Perron› neue Aufenthaltsqualitäten in das brache Gleisbett auf dem Campus der HGK Basel bringt und dem Ort ein Stück Lebendigkeit zurückgibt.

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