Holzhalle Bestand/Entwurf Mehrzweckhalle. (Bild: Marlene Hell)

Den Campus erweitern, ohne Abriss und Neubau

In ihrem Austauschsemester an der ArchitekturWerkstatt St.Gallen hat sich Marlene Hell mit dem Bauen im Bestand auseinandergesetzt. Im Campus berichtet sie von ihren Erfahrungen.

Das Entwurfssemester hat mit einer Begehung der eigenen Fachhochschule gestartet. Wir sind von St.Gallen nach Buchs gefahren. Dort befindet sich ein weiterer Standort der Hochschule. Dessen Campus war Gegenstand des Semesterentwurfs. Dozierende der ArchitekturWerkstatt, der Facility Management-Leiter, der Standortleiter von Buchs und weitere Angestellte haben uns durch den Campus begleitet. Bevor wir einen einzigen Plan gesehen hatten, war der Massstab der eigene Körper. Die erste Qualität vom Bauen im Bestand. Denn das subjektive Erleben entscheidet schnell über gute und weniger gute Architektur. 


Alter Güterbahnhof Buchs. (Foto: Marlene Hell)


In der Konzeptphase haben wir drei Visionen erarbeitet: Mini, Midi und Maxi. Lorène Burri und ich entschieden uns für ein Maxi-Konzept. Wir schlugen eine umfassende Erweiterung des Campus vor, ohne Abriss und ohne grosse Neubauten. Der alte Güterbahnhof aus dem 19. Jahrhundert in Nähe des Hochschulcampus sollte dafür umgenutzt werden. Ein Ort, der Buchs prägt. Wir wollten das nutzen, um den Charakter des Standorts mit der Hochschule zu verknüpfen. Das Ziel war, die Identität des Campus dadurch zu stärken.


Stahlhalle Bestand/Entwurf Mensa. (Bild: Marlene Hell)

Holzhalle Bestand/Entwurf Mehrzweckhalle. (Bild: Marlene Hell)


Um Bestandspläne der alten Güterbahnhofsgebäude zu bekommen, mussten wir ein paar Hürden überwinden. Wir haben dadurch die Wichtigkeit von Archiven zu spüren bekommen. Verschiedene Dozierende unterstützten uns dabei, möglichst realitätsnahe Pläne zu erstellen. Einiges an Arbeit, bevor der eigentliche Entwurf beginnen konnte. Eine weitere Herausforderung war die Darstellung. Wie wird Zeit als Faktor grafisch dargestellt? Schrittweise entstand eine Bildreihe in Schwarz-weiss. Bilder des Ortes oder des 3-D-Tragwerks waren die Grundlage. Diese habe ich analog überzeichnet, um die wechselnden Nutzungen der Bauten gleichzeitig zu visualisieren. Am Ende des Semesters sind vielfältige Entwürfe in unterschiedlichen Massstäben entstanden. Während sich andere bis ins kleinste Detail mit einer neuen thermischen Hülle auseinandersetzten, haben wir in unserem Entwurf bis zur Uni Liechtenstein gedacht. Eine Seilbahn soll Studierende in nur 10 Minuten von der Uni in Vaduz zum neuen Campus in Buchs bringen. 

Es hat Spass gemacht, in das Umbauen reinzuschnuppern. Ich frage mich nun ständig beim Entwerfen: Wie viel kann ich weglassen? Wir durften vieles lernen. Vor allem aber, Bestand als Chance zu sehen. 

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Kommentare

Martin Schoppelt  22.08.2025 19:49
Tolle Überlegungen und Entwürfe. Besonders die Seilbahn finde ich grandios! MS
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