Designkulturen Fotos: Film: Joel Bourgeois

Zwischen Designkulturen vermitteln

Wie gelingt die Zusammenarbeit zwischen Ingenieurinnen und Designern? Das hat Joël Bourgeois in seiner Bachelorarbeit untersucht.

Die einen entwickeln als Bachelor-Projekt einen Bergsteiger-Rucksack, eine Wärmehose oder ein Dialysegerät – Produkte, die ein bestimmtes Problem auf intelligente Weise lösen. Joel Bourgeois hingegen hat sich mit einem Aspekt des Arbeitsprozesses beschäftigt, der für den Erfolg oder Misserfolg vieler Produktinnovationen zentral ist: mit der Zusammenarbeit zwischen Designern und Ingenieuren. «Das ist in der Berufspraxis eine alltägliche Situation, die jedoch nicht ohne Weiteres gelingt», so der frisch diplomierte Jung-Designer.

Umso wichtiger, dass diese Zusammenarbeit bereits im Studium kultiviert wird. Die Vertiefung Industrial Design der ZHdK und die Maschineningenieurwissenschaften der ETH haben im Technopark Zürich deshalb vor kurzem das «Design and Technology Lab» ins Leben gerufen. Hier arbeiten Studierende der beiden Hochschulen in Tandems an konkreten Themenstellungen aus der Industrie. Ein idealer Rahmen für Joels Bachelor-Projekt. In mehreren Workshops hat er die Zusammenarbeit zwischen den Studierenden der beiden Disziplinen untersucht.

Die Herangehensweisen an eine Aufgabe seien sehr unterschiedlich. «Einfach gesagt: Der Ingenieur will berechnen, ob eine Konstruktion hält. Der Industrial Designer bevorzugt es, einen Prototypen zu bauen, um zu schauen, ob sie hält.» Dabei lasse Letzterer sich von seinen Erfahrungen und seiner Intuition leiten. Eine heikle Grundlage bei argumentativen Auseinandersetzungen. Joel fordert Designer deshalb auf, «ihre Intuition so systematisch wie möglich darzustellen, um sich in interdisziplinären Teams zu behaupten».

Die Kulturunterschiede zwischen den ETH-Produktentwicklern und den Industrial Designern der ZHdK reichten aber weiter: So würden ETH-Ingenieure primär an die technische Funktion eines Produkts denken und rechneten mit dem Extremfall. Industrial Designer hingegen argumentierten stets aus der Position der Benutzer und interessierten sich für eine gute Handhabe im Alltag. Diese Perspektiven gilt es zu vereinen. Dazu muss man zuerst einmal verstehen, wie die Gegenseite tickt. Joel empfiehlt in diesem Zusammenhang, das zu schaffen, was er «komprimierte Stresssituationen» nennt: «Muss man in kürzester Zeit gemeinsam eine Aufgabe lösen, lernt man sich schnell gut einschätzen.»

Eine zentrale Rolle spiele die Entwicklung einer gemeinsamen Sprache: «Homogene Teams sind durch ihre gemeinsame Sprache effizient.» Bei der interdisziplinären Zusammenarbeit müssen folglich beide Seiten gewillt sein, mehr Energie auf den Dialog zu verwenden.

Joel wird seine Erkenntnisse demnächst an der ETH präsentieren. Sie sollen in Form eines Leitfadens in die Arbeit am Design and Technology Lab einfliessen. Aber auch persönlich konnte er profitieren: «Mit meinen Erfahrungen aus dem Bachelor-Projekt fühle ich mich im Arbeitsmarkt sattelfester unterwegs.»

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