Skizzen einer Holzfügung, Entwurfsvorübung im 2. Semester. (Foto: Demian Senn)

Zeit für Vorübungen

Die beste Zeit jedes Semesters sind für Architekturstudent Demian Senn die ersten drei Wochen. In den Vorübungen findet er die Idee für seinen Entwurf.

Räume zu erfinden ist komplex. Vor allem wenn man wie ich Angst vor weissen Blättern hat. Nur aus der Parzelle und dem Programm gute Räume zu entwerfen, ist für mich ein Ding der Unmöglichkeit. Ich brauche dafür mehr – sei es indem ich mich mit dem Ort und seinen Eigenheiten auseinandersetze, mit Materialien und Fügungsprinzipien arbeite oder indem ich mir den Raum in Sequenzen bewusst mache. Dafür erhalten wir an der ArchitekturWerkstatt zu Beginn jedes Semesters drei Wochen Zeit.
 

Der Präsentationstisch der Vorübungen (Foto: Demian Senn)

Diese drei Wochen sind an Intensität kaum zu überbieten. Jeden Mittwoch bekommen wir eine neue Aufgabe und keiner weiss so genau, wie diese am Ende eigentlich auszusehen hat. «Produziert einfach», heisst es jeweils. Je nach Entwurfsthema sind dabei Tragwerksmodelle, Linolschnitte, Holzknoten, Räume aus Stoff oder künstlerische Darstellungen eines Songs gefragt. Während sich die einen mühevoll durch die Aufgabenstellung manövrieren, fällt anderen die Umsetzung leicht. Und dann, nach diesen drei Wochen, liegt eine Sammlung aus Modellen und Bildern auf dem Präsentationstisch – ein toller Moment! Jede Darstellung hat seine eigenen Qualitäten, mit Licht, Schatten und Atmosphären, mal massstäblich, mal völlig frei. Ein Erguss aus Ideen und Konzepten, die in den Entwurf eingebracht werden können.
 

Die Vorübung des Bootshausentwurfs (Foto: Julet Sulajmani/Demian Senn)

Erst danach beginnt der Entwurf. Ich starte nicht mit weissen Blättern, sondern mit der Fülle der Vorübungen. Der Holzknoten wird zum Musemsgebäude, die in Linol geschnitzten Stadtpläne schärfen die Masse und aus der Analyse der Uferkanten entwickle ich den Entwurf von Bootshäusern am Bodensee.
 

Die Vorübung des Wohnbauentwurfs: Entwicklung einer Kleinwohnung aus einer Wohnbaureferenz. (Foto: Rafaela Böhi/Demian Senn)

Einige meiner Kommilitonen würden diese Zeit lieber in die Entwurfsarbeit investieren. Für mich ist aber sind die Vorübungen eine gute Art, Entwurfsprozesse kennenzulernen und anzuwenden. Frei und künstlerisch an den Entwurf heranzugehen ist etwas, was ich mir auch im zukünftigen Berufsleben unbedingt beibehalten will. 

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