Markus Lüscher von PARK Architekten zu Gast im Lehrcanapé.

Wovor haben Sie Angst?

Als Architekturstudierende der ETH sind wir konfrontiert mit alltäglichen Sorgen wie Abgabedruck oder Entwurfsblockaden. Einen offenen Austausch über wirklich essentielle Ängste vor unserer Zukunft vernehme ich jedoch kaum.

Als Architekturstudierende der ETH Zürich sind wir konfrontiert mit vielen Ängsten, wobei die alltäglichen Sorgen den grössten Raum einnehmen: gedankliche Blockaden beim Entwurf, rechtzeitige Abgaben und Projektkritiken. Einen offenen Austausch über wirklich essentielle Ängste vor unserer Zukunft vernehme ich jedoch kaum. Dies scheint besonders diskrepant in Anbetracht der ökonomischen Krise, die in Europa wütet, und der Unsicherheit, ob die Schweiz auch künftig die einsame Insel wirtschaftlichen Aufschwungs bleiben wird. Die Angst, mit dem ETH-Diplom in Händen arbeitslos zu bleiben, scheint heute in der Tat unbegründet. Doch was ist in fünf oder zehn Jahren? Hinzu kommt, dass die Tätigkeitsbereiche von Architekten dank der Ökonomisierung und der damit einhergehenden Segmentierung innerhalb des Bauwesens immer mehr beschnitten werden. Ich bin nicht alleine mit der Angst, später als Architekt in öden Tätigkeiten zu verenden und nicht mehr die studentische Euphorie über Architektur pflegen zu können. Trotzdem – oder gerade deshalb – verspüre ich eine extreme Vorsicht unter uns Studierenden, gewagte Entwürfe zu zeigen. In den alljährlichen Diplomausstellungen ist die Zurückhaltung der ausgestellten Projekte immer wieder augenfällig.

«Warum so sicher, warum so richtig und warum so mutlos, und... Wovor haben Sie Angst?»

Diese Frage richtete Markus Lüscher als Gast im Lehrcanapé von Philip Urspung an die Studierenden. Die Diskussion drehte sich um den allgemeinen Konsens innerhalb der Schweizer Architektur und die daraus resultierende Uniformität der Bauten. Lüscher sieht im Konsens über das, was als gute oder schlechte Architektur bezeichnet wird, eine bedauernswerte Vorsicht der Akteure. Die Frage nach unserer Angst blieb unbeantwortet und die Feststellung, dass diese elementaren Ängste, die uns opportunistische Entwürfe machen lassen, nicht zur Sprache kommen, bestätigte sich für mich ein weiteres Mal. Doch gibt es für uns junge Architektinnen und Architekten Möglichkeiten, mit dieser Situation umzugehen? Müssen wir einfach stramm stehen und bei jedem noch so beängstigenden Gegenwind Haltung bewahren? Eine klare Haltung und Kompromisslosigkeit sind kein Ersatz für eine Auseinandersetzung mit unseren berechtigten, fundamentalen Ängsten. Vielmehr sollten wir anfangen, Fragen zu stellen und unseren spontanen Ideen und Wünschen folgen – auch wenn uns dies zu Springbällen macht, die nicht wissen können, wo sie zur Ruhe kommen.

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