Perspektive Wohneinheit des Bachelorentwurfs. Fotos: Fabiana Troy

Wohnen für alle

Fabiana Troy studiert an der ArchitekturWerkstatt St.Gallen und hat sich im freien Thesisjahr mit dem Thema Alterswohnen auseinandergesetzt.

An der ArchitekturWerkstatt arbeiten wir von Entwurf zu Entwurf immer selbständiger an den jeweiligen Aufgabenstellungen. Das fünfte Semester bereitet uns auf die «Krönung» unseres Studiums vor – die freie Thesisarbeit. Dafür suchen wir eine eigene Aufgabenstellung, analyiseren das gewählte Thema und präsentieren am Schluss des Semesters eine These. Die ist dann wiederum die Grundlage für den Entwurf im sechsten Semester.

Inspiriert von einem persönlichem Erlebnis widmete ich mich dem Alterswohnen: Warum müssen wir uns in dieser Phase des Lebens entscheiden, ob wir noch selbständig zu Hause wohnen können oder ob wir in eine betreute Institution ziehen müssen. Warum gibt es kein Wohnkonzept, das sämtliche Stufen des Älterwerdens mitmacht? Zuerst klärte ich die Begrifflichkeiten und befasste mich mit den bestehenden Wohnformen. Ich untersuchte das Alterswohnen architektonisch, aber auch geschichtlich, gesellschaftlich und sozial.


Ein Grundriss des Bachelorentwurfs.

Ein Grundriss des Bachelorentwurfs.

Mein Gebäudeentwurf im sechsten Semester vereint alle Erkenntnisse aus dem fünften. Ich befasste ich mich intensiv mit den Profilen der Bewohnerinnen und dem Leben, das in meinem Gebäude stattfinden kann. Der Bau ist barrierefrei und bietet Wohnungen in diversen Grössen, die durch kleine Umbauten den individuellen Bedürfnissen angepasst werden können. Durch die vielfältigen Erdgeschossnutzungen gliedert sich das Gebäude ins Quartier ein und schafft Angebote für die gesamte Umgebung. Die Erschliessungsflächen bilden kleine «Dorfplätze». In diesen Begegnungszonen können die Bewohnerinnen und Bewohner ihre Nachbarschaft stärken und ein soziales Umfeld aufbauen.


Eine Skizze des Bachelorentwurfs aus der Wimmelbildreihe «Vier Jahreszeiten»

Rückblickend erkenne ich, dass ich in diesem Jahr persönlich einen Prozess durchlaufen habe. Ich eignete mir Strategien an, wie ich mit Tiefs umgehen kann. Ich pflegte Kontakte zu diversen Fachgebieten, um Hilfe in Anspruch zu nehmen, wenn ich nicht mehr weiterkam. Zudem sensibilisierte mich die Arbeit für das Thema Wohnen. Ich lernte, dass  «das» Altern nicht pauschal betrachtet werden kann, denn jeder Alterungsprozess ist individuell.

Meine Haupterkenntnis ist aber: ein Gebäudeentwurf muss gesamtheitlich betrachtet werden, um den verschiedenen Stadien des Älterwerdens entsprechen zu können. Wenn alle Faktoren, die mein Gebäude ausmachen, in anderen Projekten genauso gewichtet würden, könnte in Zukunft für alle Menschen gebaut werden. Unabhängig davon, ob eine Beeinträchtigung durch das Alter vorhanden ist oder nicht. Dann könnte die Architektur bewirken, dass sich jede Person wohl fühlt. Diese Sensibilisierung möchte ich mir für mein zukünftiges Schaffen bewahren.

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