Die Architekturmagazine ‹SITE›, ‹trans›, ‹News from Delphi› und ‹Planphase›

Was macht eine Architekturpublikation aus?

Die Architekturmagazine ‹trans›, ‹SITE›, ‹News from Delphi› und ‹Planphase› haben sich über ‹Print und Periodicity› ausgetauscht. Die trans-Redaktion berichtet über die Erkenntnisse.

In einer Podiumsdiskussion im Rahmen der Reihe ‹Publishing in Architecture› trafen sich kürzlich das SITE Magazin, News from Delphi, Planphase und das trans Magazin. Wir sprachen über ‹Print und Periodicity›. Alle in dieser kleinen Runde trugen zahlreiche Papierschnittnarben, blätterten mit geübten Fingern die Zeitschriften durch und wichen mit geschickten Blick der Neonspiegelung der Hochglanz-Seiten aus. Ich fühlte mich zugegebenermassen unerfahren.

Es mag eine gewisse Ironie in sich tragen, in einer Online-Kolumne über das Print-Wesen zu schreiben. Doch genau dieses Gespräch hat mir bewiesen, dass es in der Druckwelt nicht nur um «ich-zeig-dir-meins-wenn-du-mir-deins-zeigst» geht.

Die gedruckte Zeitschrift ist in der Architekturszene unbestreitbar nicht mehr das Medium unserer Zeit. Blogs, E-Magazine und Instagram-Profile lassen jegliche Art von Druck redundant erscheinen. Das Versprechen einer uneingeschränkten Leserschaft, das Vermeiden der Druckkosten, die höhere Frequenz und Flexibilität und der - mittlerweile ausser Kontrolle geratene - Kommentarbereich stehen in dieser Debatte der Nostalgie entgegen, die man den Druckern unterstellt. Aber müssen wir diese Medien-Diskussion noch führen? Müssen wir uns den digitalen Prämissen immer noch wie einem Polygraphen unterwerfen? No need.

Die materielle Eigenschaften können tatsächlich den Kern eines Magazins ausmachen. Doch nicht jede Zeitschrift will wöchentlich erscheinen und den Salontisch eines jeden shabby-chic eingerichteten Lofts zieren. Denn in diesen Fällen wird unausweichlich der Inhalt generisch, die Artikel und Bilder werden recycelt und die Redaktion verkrampft unter dem Druck der sich immer wieder nähernden Deadline - wie in einem Hürdenlauf, in dem die Hürden einige Zentimeter zu nahe aneinander gerückt wurden. Von einer Reaktion auf die letzte Ausgabe können die Autorinnen nicht mal träumen, der Zeithorizont ist zu klein. Hier wird die Periodizität, die eigentlich aktuellen Content verspricht, der Zeitschrift zum Verhängnis.

Die Aktualität einer Publikation kann nicht daran gemessen werden, in welcher Form die Inhalte veröffentlicht und konsumiert werden. Was wirklich zeitgenössisch sein kann, sind die Inhalte selbst. Sie können nämlich nur zustande kommen, wenn sich jemand dazu angeregt fühlt, Gedanken niederzuschreiben, Erfahrungen zu teilen oder Antworten auf eine Frage zu formulieren. Genau hier liegt das Potenzial einer Publikation: die Auseinandersetzungen, die Umstände und die Reibung während der Entstehung können nur in der Gegenwart stattfinden. Der wirklich wichtige Teil eines Magazins ist nicht dessen materieller Wert, sondern die Einmaligkeit der Inhalte. Ein Gespräch über den gedruckten Text bedeutet mehr als der saubere Zuschnitt einer gesamten Ausgabe. Eine E-Mail über unklare Formulierungen ist wertvoller als die glänzende Seite, auf die der Satz schlussendlich gedruckt wird.

Das periodisch gedruckte Magazin ist nicht eine Geste der Nostalgie, sondern das Produkt aus Anregungen, Reaktionen, geteilten Gedanken und technischen Umständen, die spezifisch für diese Publikation sind. Die gedruckte Form spielt dabei eine untergeordnete Rolle.

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