Warum geht man in die Berge? Um allein zu sein?

Was hätten Sie gerne?

Unsere Campus-Autorin macht sich in den Semesterferien auf in die Alpen und sinniert zwischen Bikern und Skifahren über die Berge als Alter Ego der Stadt und das menschliche Agglomerationswesen.

«Was hätten Sie gerne?» fragte der Gastwirt an einem sonnigen Dezember Nachmittag auf der Hütte. Zwischen Kaffee, Pommes und Gerstensuppe kam das Geplauder um das erstaunliche sommerliche Wetter zu einem kritischen Punkt. «Zum Glück sind die Biker da und es läuft etwas hier oben, oder?» fragte der Biker. «Haben sie Vorzüge, haben Sie eigentlich lieber Biker oder Skifahrer?» Der Gastgeber antwortete ehrlich und direkt «Skifahrer», es sei denn, die Biker kämen nicht allein, sondern mit Familien – je mehr Leute, desto besser ist es für die Kasse.
Die Tragödie der Alpen und des Klimawandels kurz bei Seite gelassen, sind die (Winter-) Sportarten eine wichtige Attraktion für die Berggebiete und für ihre Ökonomie. Zu oft aber wird das instrumentalisiert für Investitionen, die grosse Massen ansprechen müssen. Die Berge werden immer mehr zum ‹Alter Ego› der Stadt: Ferienort, Wochenendausflugsziel, immer für viele Menschen gedacht und ausgerüstet.

Wenn man Zeit hat, flüchtet man gerne aus der Agglomeration in die attraktiven Orte. Die Berge müssen sehr attraktiv sein, denn wir erwarten oft zu viel von ihnen. Anders als die Stadt sollen sie sein und uns doch gleichviel bieten.
Die Zweitwohnungsinitiative und die Revision des Raumplanungsgesetzes lenkten in den letzten Jahren die Aufmerksamkeit auf die Entwicklung des Landes. Eine idyllische Vorstellung von Land und Berge prägen das Identitätsbild der Schweiz tief. Doch drei Viertel der Schweizer Bevölkerung wählen die Stadt um zu leben. Liegt das Problem möglicherweise in unserem menschlichen ‹Agglomerationswesen›, das sich nichts Anderes vorstellen kann? In den Semesterferien, wenn es keinen Schnee gibt, hat man Zeit biken zu gehen und kurz darüber nachzudenken: Kann ich anders als in der Stadt leben? Was hätte ich denn gerne?

Linda Stagni ist Co-Redaktorin des trans Magazins der ETH Zürich

Kommentare

Kommentar schreiben
Ich kann das Bild nicht lesen