Szenario Aqua Pharming: Nächtliche Beleuchtung erhöht die Enzymproduktion.

Und wenn Pilze unser Trinkwasser reinigten?

Wie sähe ein Schweizer Haushalt aus, wenn das Leitungswasser aufgrund des hohen Arzneimittelgehalts nicht mehr trinkbar wäre? In ihrer Masterarbeit «Aqua Pharming» spekuliert Giulia Stoll über die Zukunft des Wassers.

Wie sähe die Trinkwasserlage eines regulären Schweizer Haushalts aus, wenn das Leitungswasser aufgrund des hohen Arzneimitteleintrags nicht mehr gefahrlos trinkbar wäre? Was wäre, wenn in jener Zeit der Ansatz eines dezentralen Wasserhaushalts bei den Schweizern Anklang gefunden hätte, und die Wasseraufbereitung mithilfe domestizierter Pilzkulturen zuhause stattfände? Im Zukunftsszenario «Aqua Pharming» werden ebendiese Spekulationen erstellt, verbildlicht und vertont. Das Projekt ist als Inszenierung zu verstehen: Mit fotografischen Bildkompositionen und fiktiven Radioaufzeichnungen wird eine mögliche Zukunft suggeriert, die aber gleichzeitig einen Dialog zu unserer gegenwärtigen Situation sucht. Grundlage der Fiktion bildet das aktuelle Thema des Arzneimitteleintrags in unseren Gewässern. Zahlreiche Arzneimittelrückstände werden heutzutage von den Kläranlagen nicht vollständig aus dem Abwasser gefiltert und sind im Grund- und Trinkwasser nachweisbar. Für den Menschen scheinen diese Rückstände zunächst nicht gesundheitsgefährdend, doch eindeutige Auswirkungen auf unsere Umwelt aufgrund hormonbelasteter Gewässer zeigen sich bereits im Rückgang einiger Fischbestände. Diese reale Wassersituation, verbunden mit dem Gedanken eines urbanen Selbstversorgers (in Anlehnung an heutige Tendenzen wie dem «Urban Farming»), dient als Inspiration für eine fiktive Weiterentwicklung. Eine hauseigene Wasseraufbereitungsanlage in Form einer Pilzzucht steht im Zentrum des Projekts: Laut wissenschaftlichen Studien sind die Laccase-Enzyme eines Holzpilzes namens «Schmetterlingstramete» in der Lage, Östrogene und andere Arzneimittel im Wasser abzubauen, und als Teil einer Bio-Brennstoffzelle Energie zu produzieren.
Das Masterprojekt zeigt unseren möglichen Alltag rund um eine Schmetterlingstrameten-Zucht, die den Kern einer hauseigenen Trinkwasser-Quelle bildet. Dabei wird die Beziehung von Mensch zum nutzbar gemachten Lebewesen thematisiert sowie das Verhältnis zu unserem Trinkwasser allgemein: Im «Aqua Pharming»-Szenario hat ein gemeinsames Gläschen hauseigenen «Quellwassers» den sozialen Rang eines feinen Aperitifs eingenommen.

* Giulia Stoll hat im Februar 2013 den Master of Arts in Design mit Spezialisierung Product Design an der Hochschule Luzern – Design & Kunst abgeschlossen.

Kommentare

Gerd Blohm 06.04.2013 11:22
Sehr interessant. Das wäre ein natürlicher Weg zur Befreiung des Wassers von Ostrogenen und anderen Arzneimittelrückständen. Wir nutzen ein ebenfalls naturkonformes physikalisches Verfahren, das auch diese Schadstoffe neutralisiert und insgesamt dem Trink- und Tränkwasser eine vorzügliche Qualität gibt. Die Aqua-Lyros Wasserdurchlaufgeräte sind bereits über viele Jahre bewährt. Sogar die unangenehmen Wirkungen einer Chlorierung sind nicht mehr feststellbar.
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