Das System funktioniert, der Mangold gedeiht.

Sei deine eigene Nährstoffquelle

Das studentisches Projekt ‹youtrition› des HyperWerks der HGK Basel recycelt Urin und macht daraus Dünger. Eine Versuchsanlage beweist: Das System funktioniert.




Das studentisches Projekt ‹youtrition› des Institut HyperWerks weist auf einen Kreislauf hin, der genau so simpel wie clever ist: Jeder Mensch kann seine eigene Nährstoffquelle sein. Die Erkenntnisse, auf denen unser Projekt basiert, sind keineswegs neu. Aber das macht nichts, wir recyceln gerne.

Recycelt wird bei uns vor allem menschlicher Urin: Urin ist viel zu wertvoll, um einfach die Toilette runtergespült zu werden. Er enthält drei Nährstoffe, die Pflanzen zum Leben benötigen: Stickstoff, Phosphor und Kalium. Zudem hat es im Urin Aminosäuren, Hormone, Vitamine und Spurenelemente. Wir wollen diese wichtigen Nährstoffe wiederverwenden, statt den Urin aus dem Wasser zu filtern: Schweizer Kläranlagen verwenden 85 Prozent der Energie, um Stickstoff aus dem Abwasser zu entfernen. Ein Prozent des globalen Energieverbrauchs wird gebraucht, um Stickstoff für Kunstdünger zu synthetisieren. Wieso also behandeln wir Urin wie Abfall?

‹youtrition› will den Umgang mit diesen Kreisläufen neu definieren. Dafür erforschen wir die Verwendung von Urin zur Produktion pflanzlicher Nahrung. Wir möchten aber noch einen Schritt weitergehen: Wie könnte eine Toilette direkt mit einem Garten, einem Hochbeet oder einem Gewächshaus verbunden werden? Ist es möglich ein System zu entwickeln, das Gemüse für die eigene Küche produziert ohne den momentanen Komfortstandard zu vermindern?

Ein entscheidender Bestandteil unseres Konzepts ist die kulinarische Inszenierung von pflanzlicher Nahrung, die mit Nährstoffen aus Urin produziert wurde. Auf dem Vorplatz des Ateliergebäudes der HGK konnten wir eine kleine Versuchsanlage platzieren. Darauf haben wir zwölf Kilogramm Mangold angebaut und zu schmackhafter Lasagne verarbeitet. Der kulinarische Genuss hat die Akzeptanz fürs Urinrecycling gesteigert. Rohstoff haben wir mit Komposttoiletten gesammelt, die wir in Zusammenarbeit mit dem ‹Hang-Zu›-Festival gebaut haben und an der Veranstaltung aufstellen konnten. So haben wir bewiesen, dass das System geruchsfrei und effizient funktioniert. Im nächsten Jahr wollen wir eine grössere Anlage bauen.

Eine Herausforderung auf kommunikativer und gestalterischer Ebene ist der Umgang mit der Thematik an sich. Gerade rund um Urin gibt es diverse Stolpersteine, zum Beispiel das Abgleiten in die Fäkalsprache. Wir haben uns entschieden, transparent über die wissenschaftlichen Hintergründe von Urinrecycling zu informieren, aber den Fokus auf den Genuss zu legen. So kommunizieren wir auch über unsere öffentlichen Kanälen wie Instagram, Youtube und Facebook.

* Elena Eigenheer, Sophie Plattner und Moritz Keller studieren im 3. Semester am Institut HyperWerk der Fachhochschule für Kunst und Gestaltung in Basel.

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