Was ist real und was ist virtuell?

Reality

Unsere Realität wandelt sich und entwickelt sich. Die neue Ausgabe des trans Magazins thematisiert ‘Reality’ in vier Kapiteln und allen Facetten. Ein Vorabzug.

Profit
Architektur war schon immer das Resultat einer Vielzahl von Einflüssen, sowie des Zeitgeistes. Heutzutage verlieren Architekten jedoch zunehmend die Kontrolle über den Designprozess. Big Data und Algorithmen liefern uns Ergebnisse, mit denen sie die Gestalt der Stadt prägen, ihr Interesse liegt jedoch fernab von Diversität. Real Estate, das unseren ‹ein Traum wird wahr› darstellen soll, hat oft gar nicht so viel Träumerisches an sich. Wir können deutlich beobachten, wie es immer mehr zu einer Massenware verkommt. Aber wie können wir diesen Prozess mitgestalten? Sollten wir eingreifen?

«Wenn erfahrene Unternehmen wie Google-Alphabet oder Alibaba Chancen wahrnehmen und ganze Stadtplanungen übernehmen, kann man vermuten, dass dahinter ein Zugang steht, der zu effizientem ökonomischen Wachstum führt. Dazu kommt, dass diese Unternehmen mit einem Anfangspotenzial starten, dass sich keine Kommune, kein Stadtplanungs- oder Architekturbüro je leisten könnte.»
Ein Gespräch mit Arno Brandlhuber

Virtuality
Revolutionen schaffen neue Realitäten und verändern unsere Wahrnehmung der Welt. Die Massen scheinen die rasanten technologischen Entwicklungen der letzten Jahrzehnte zu begrüssen, trotz anhaltendem Zweifel und Skepsis. Diese Entwicklungen erweitern unsere Wahrnehmung von Raum. Kopien der Wirklichkeit, die weder kopiert noch erdichtet sind, sondern gänzlich neuer Raum. Indem wir in eine neue Realität eintauchen, geben wir uns die Möglichkeit unsere alte mit neuen Augen zu betrachten. Was sind die Möglichkeiten dieses neuen virtuellen Raums? Wie kann das Virtuelle unsere Wahrnehmung erweitern?

«Als vor knapp 120 Jahren zum ersten Mal Menschen in einem dunkeln Saal sassen und einen Zug auf sich zufahren sahen, sprangen sie auf, verliessen schreiend den Raum oder fielen in Ohnmacht. Das bewegte Bild hatte nach der Fotografie den zweiten grossen Schritt in der technologiebasierten Umweltabbildung gebracht und die gesellschaftlichen Implikationen waren immens.»
Die grenzenlose Raumdurchdringung, Joshua Jèsus Andres

Almost fiction
Eine gut konstruierte Fiktion besteht aus einer soliden Lebenskraft und einer plausiblen Erzählung. Am Rande stehend - aber nicht ausserhalb - unserer Wahrnehmung, provoziert, schiebt, und trotzt sie den Grenzen dessen, was wir für möglich halten. Dementsprechend werden einige Fiktionen von gestern zu unserer Realität von heute, und in dieser schimmern die Szenarien von morgen. Beide Konzepte sind untrennbar miteinander verbunden, wo also ist die Linie, die sie voneinander trennt? Beides sind Produkte des menschlichen Geistes, wie können wir sie also objektiv definieren?

«Die Stadt Green Bank hat eine bescheidene Größe von 143 Einwohnern. In letzter Zeit ist ein Zustrom von Flüchtlingen und Migranten zu beobachten, die sich von der Hyperkonnektivität ihres täglichen Lebens abwenden. Mit der Zeit ist die Ruhezone ein Ort geworden, an dem mystische Wissenschaftler, gewehrfreudige Einheimische und elektromagnetisch Hyper-Sensible alle zusammen leben.»
Zomias of Reality, Nitin Bathla

Everydayness
Unser tägliches Leben ist eben das: täglich. Banal. Beige. Das Alltägliche wird endlos wiederholt, bis es zur Routine wird. Unsere Augen gewöhnen sich daran, so dass wir es kaum noch wahrnehmen. Es ist leicht den Alltag einfach als unbedeutend beiseite zu legen, auch wenn er tatsächlich einer der hartnäckigsten Realitäten ist, mit denen wir uns auseinandersetzen müssen. Da ist sicher etwas zu finden in dieser Realität, in die wir hineingestoßen werden, etwas, das wir vielleicht übersehen. Was können wir vom Alltäglichen lernen? Wo liegt die Schönheit im Banalen?

«Sie müssen beide existieren und irgendwie zusammenarbeiten. Ein Traum ist ein Traum, Realität ist Realität. Ich denke, dass beide gleichermaßen wichtig sind. Es ist nicht, als ob ich in die Traumwelt gehen möchte und dann nie wieder zurückkomme. Irgendwie arbeiten sie zusammen.»
Ein Gespräch mit Alexander Brodsky

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