Ausstellungsrundgang mit dem Smartphone

People’s Choice› im Museum

In ihrer Masterarbeit entwickelt Anja Messerli ein digitales Tool, das es dem Publikum erlaubt mitzubestimmen, welche Werke im Museum ausgestellt werden.

Mit meiner Masterthesis möchte ich die Besucherinnen und Besucher eines Museums an der Konzeption der Ausstellung und der Auswahl der gezeigten Werke beteiligen. Ich habe eine Webseite konzipiert, die dem Publikum räumliche Informationen zur Ausstellung gibt, detaillierte Informationen zu den einzelnen Exponaten liefert und sie einlädt, über die Ausstellung zu diskutieren und kommende Ausstellungen mitzubestimmen: über die Funktion ‹People’s Choice› kann das Publikum entscheiden, welches Werk als nächstes ausgestellt wird.

Das digitale Vermittlungstool wird anhand von QR-Codes ersichtlich und führt auf die gewünschte Werkseite.

Das digitale Tool bildet den Praxisanteil meiner Masterthesis am Institut Lehrberufe für Gestaltung und Kunst der Hochschule für Gestaltung und Kunst in Basel. Nachdem ich bereits ein Bachelorstudium in Industrial Design abgeschlossen habe, bietet sie mir die Möglichkeit, Design und Kunstvermittlung miteinander zu verbinden und meine Kenntnisse im Programmieren, Webdesign und Corporate Design anzuwenden.

Das Vermittlungstool funktioniert sowohl in wie auch ausserhalb des Museums. Im Museum finden die Besucherinnen und Besucher über einen QR-Code weitere Informationen zum Werk. Bereitgestellte iPads erlauben die Nutzung auch ohne eigenes Smartphone. Ausserhalb informiert es interessierte Menschen über die laufende Ausstellung und lädt sie ein, über die nächste mitzuentscheiden. Das digitale Medium soll den physischen Museumsbesuch nicht ersetzen, sondern ergänzen, vorbereiten und dazu einladen.

Ausstellungsrundgang mit dem Smartphone

Ein Museum vermittelt Kunst, indem es Werke zugänglich macht. Über meine Webseite kann das Publikum nachvollziehen, wie die Kuratorinnen und Kuratoren Werke auswählen und sie in der Ausstellung kontextualisieren. Ihre Arbeit wird für die Besucherinnen und Besucher verständlicher. Auch das aus kuratorischer Sicht vielleicht kritisch betrachtet wird, sehe ich ein grosses Potential für eine solche Partizipation des Publikums, wenn eine Ausstellung am Entstehen ist. Der Besuch einer Ausstellung ist doch sehr verlockend, wenn man bei der Werkauswahl beteiligt war. Was man per ‹People's Choice› ausgewählt hat, möchte man sicher auch real in den Museumsräumen sehen.
 
Online gestellte Museumssammlungen sind meist archivarisch angeordnet, alphabetisch nach Künstlerinnen und eingeteilt nach Epochen. Auf meiner Master-Website habe ich eine neue Kategorie hinzugefügt: Sie heisst ‹Trending› und ergänzt das Diskussions-Tool. Die Besucherinnen können beliebte Kunstwerke mit Sternen markieren. Die Werke werden nach der Anzahl erhaltender Sterne neu geordnet, dasjenige mit den meisten Stimmen kommt an erster Stelle. Das lohnt sich für das Publikum genauso wie für das Museum: die Besucherinnen und Besucher können sich an der Kuration beteiligen. Das Museum erhält eine Rückmeldung der Besucherinnen und Besucher zu den Werken und den Ausstellungen.

Das Bewertungssystem ändert die Anordnung der Werke und bietet den Nutzerinnen und Nutzern ein Tool, ihre Meinung mitzuteilen.

Eine solche Mitsprache durchbricht die Hierarchie des Museums und eröffnet eine andere Art des Austausches zwischen Besucher, Werken, Ausstellungen und Kuratorinnen. Das Museum kann mit Hilfe der Partizipationsplattform zusätzliches Publikum gewinnen oder zu weiteren Besuchen einladen. Zudem können die Museen mit dem digitalen Vermittlungstool ein jüngeres Publikum ansprechen.

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