Für ihre Kollektion ‹No Fun› hat Lisa Preissle flüssiges Latex am Körper gegossen und an den Körper angepasst zusammengenäht.

No Fun

Die Mode-Design-Studentin Lisa Preissle sieht ihre Abschlusskollektion als Vorschlag, sich von Konventionen zu befreien und als Einladung, Sicherheit im eigenen Körper zu finden.

Für meine Abschlusskollektion ‹No Fun›, welche im Laufe des letzten Semesters am Institut Mode-Design der Hochschule für Gestaltung und Kunst FHNW in Basel entstanden ist, wurde ich mit dem diesjährigen Doing Fashion Förderpreis ausgezeichnet.

‹No Fun› bedeutet ein Zelebrieren des Moments, eine Zuflucht aus der Realität in ein unbeschwertes, utopisches Szenario angelehnt an eine hedonistische Grundthese. Von Fragilität inspiriert, bediene ich mich an der Lust als Antrieb, Schmerz zu überwinden. Lust als Antrieb, Langeweile zu überwinden. Lust als Motivation, Grenzen auszuloten.

«In meinem Prozess war es mir wichtig früh mit einem realen Gegenüber zu arbeiten, um den Look in der Passform, Farbigkeit und Materialität an die Person anzupassen», sagt Lisa Preissle.

Inspiriert vom Zerfall des Körpers, drapiere ich eine neue Haut, eine Erweiterung des menschlichen Körpers in einer textilen, fleischig tot und gleichzeitig belebt wirkender Materialität. Die Frage nach der Fragilität der Existenz hat mich im Prozess begleitet und stellt sich auch im Hinblick auf die Materialwahl. Um Formen, Struktur und Gefühlszustände des menschlichen Körpers in eine Materialität miteinzubeziehen, habe ich mit flüssigem Latex gearbeitet, welches ich an meinem eigenen Körper abgegossen habe. Es stellt einen momentanen Zustand des Körpers dar – eine Momentaufnahme, aus der Körpertemperatur, Alter und Schmerz zu erahnen sind.

Ich habe den gegossenen Latex als Stoff behandelt und von Hand zusammengenäht, um ihn dann wieder zu übergiessen. Zusätzlich habe ich mit flüssigem Latex in Verbindung mit Jersey und Gaze gearbeitet, um stoffähnliche Strukturen zu schaffen, welche wie Arabesken am Körper wachsen. Ich verstehe den Zerfall in Bezug auf die Materialität nicht als ein von der Schwerkraft vorgeschriebenes Herunterfallen vom Körper, sondern als ein Ausbruch der Materialität in sich auflösende, neu zusammenfügende Fragmente, die sich auf fantastische Weise um den Körper zerren.

«Das Eingehen auf den Körper ist nicht nur für die Passform wichtig, sondern kann auch zur Silhouetten Findung beitragen. Ich habe mich hierfür vom ornamentartigen Aufbau von Arabesken inspirieren lassen.»

Der fragile Akt des sich Exponierens wiederspiegelt eine Transformation. Die dabei entstehende Intensität konfrontiert den Betrachter. Es ist ok, wenn er sich dabei überfordert fühlt. Ich verwende Farben, die einander schwächen, um zu beobachten, wie meine Looks miteinander konkurrieren. Sie entkräften sich gegenseitig, laden sich aber gleichzeitig in ihrer Intensität auf und bilden eine groteske Harmonie. In meiner Kollektion findet ein Wandel statt, eine Überlagerung von Belebtem und Unbelebtem zu neu Erlebbarem.

Mode ist für mich eine Plattform, um meine Wünsche auszudrücken. Meine Kollektion ist ein Vorschlag, sich von Konventionen zu befreien und eine Einladung, Sicherheit im eigenen Körper zu finden. Die nächsten Monate werde ich in London verbringen, wo ich mit den Designern des Labels ‹Art School› an ihrer neuen Kollektion arbeiten werde. Nebenbei versuche ich meine eigenen Entwürfe voranzutreiben und zu verwirklichen.

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