Zwei Motive aus unserer Plakatreihe zur lebendigen, wachsenden Stadt.

Nachwachsender Wohnraum

Was wäre, wenn symbiotische Beziehungen mit der Natur zu neuen Formen des Bauens und Wohnens führten? Diese Frage stellten sich Designstudierende der FHNW und haben eine fiktives Szenario entworfen.

Das in der Schweiz erwartete Bevölkerungswachstum bringt den Verlust ehemaliger Naturlandschaften und die Verknappung fossiler Rohstoffe einher. Kommt die traditionellen Architektur hier möglicherweise an ihre Grenzen? Ganz aktuell wird von uns in vielen Bereichen ein Umdenken verlangt, das nachhaltige, zirkuläre Materialien im Vordergrund stellt. Diese Herausforderungen waren der Ausgangspunkt für dieses gestalterisches Experiment.
 

Für unsere Materialexperimente haben wir mit Naturmaterialien wie Moos, Flechten, Pilzen und einem biologischen Kunststoff auf der Basis von Agar Agar gearbeitet.

Eine fundierte Recherche zu Symbiosen in der Natur, aktuelle Forschungsansätze mit Pilzmycelien zur Erzeugung neuer Baustoffe, sowie Experimente zur Stromerzeugung durch Bakterien, haben uns inspiriert über das Wohnen in der Stadt der Zukunft zu spekulieren: Was wäre, wenn wir mit einem lebenden, wachsenden Wohnraum eine symbiotische Beziehung eingehen könnten? Was wäre, wenn unsere Behausungen aus einer Zelle entstehen würden, die wir zur Geburt bekommen, um sie zu hegen und pflegen und damit einen Wohnraum erzeugen, der sich an unsere Bedürfnisse anpassen würde — genauso wie wir uns an seine? Welche Chancen und Herausforderungen hätte so eine wechselseitige Abhängigkeit? Und sind wir als Individuen dieser grossen Verantwortung gewachsen?  
 

Detailaufnahme unseres Architekturmodells bestehend aus Beton (konventionelle Architektur) und unseren Modellen (lebendige, wachsende Architektur).

Mit Hilfe eines Architekturmodells kartierten wir die mögliche städtebauliche Entwicklung des Gebiets um den Prime Tower in Zürich und visualisierten unser Konzept der wachsenden symbiotischen Wohnräume mit Hilfe von verschiedenen kleineren Modellen. Wir gestalteten eine Plakatreihe, die unser Konzept visuell greifbarer machen soll und übersetzten die wichtigsten Ideen in ein Manifest. Die entstandenen Texte und Artefakte sind wiederum Bestandteile eines Kurzfilms, der die Betrachterinnen und Betrachter auf eine Reise in unsere mögliche Zukunft mitnimmt.
 

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Unser fiktives Architekturmodell des Gebietes rund um den Prime Tower in Zürich im Jahre 2100.

Der Film beschreibt das Projekt wie folgt: «Eine Gruppe hochgebildeter Menschen entwickelt ein neues Gesellschaftsmodell, welches das Problem der Überbevölkerung mit dem Bedarf an naturbasierter, flexibler Architektur in Einklang bringt. Mit Beginn des Jahres 2100 erhält jedes Kind bei der Geburt eine Zelle. Es ist ein sehr kleiner (anfangs kaum sichtbarer), lebendiger Organismus, der mit uns, unseren Gefühlen, unserer geistigen und körperlichen Gesundheit eine Symbiose eingegangen ist: Die Zelle spiegelt uns wider und zeigt unsere Individualität in ihren Farben und Formen. Sie kontrolliert uns, doch wir können sie auch kontrollieren. Sie hält uns nur am Leben, wenn wir sie am Leben halten. Es besteht eine starke Wechselbeziehung zwischen unserem Wachstum und dem Wachstum der Zelle. Wir müssen uns gut um sie sorgen. Denn wenn die Zelle stirbt, stirbt auch der Symbiosepartner, also wir.»
 

Kurzfilm zum Projekt Lamentum.

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