Die Innenarchitektur-Studentin Kyra Lüthi hat eine Wohnung entworfen, in der sie trotz ihrer Schwerhörigkeit mit Menschen in anderen Räumen kommunizieren kann.

Lautlose Räume sehen

Die Innenarchitektur-Studentin Kyra Lüthi hat eine Wohnung entworfen, in der sie trotz ihrer Schwerhörigkeit mit Menschen in anderen Räumen kommunizieren kann.

Mein erstes Projekt als Innenarchitektur-Studentin an der HSLU hiess ‹Räumliches Selbstportrait›: Wir sollten unsere Person in einer Wohnung abbilden. Meine persönlichen Anforderungen fallen etwas aus dem Rahmen, weil ich schwerhörig bin. Was sind meine Wohnbedürfnisse und wie kann ich diese im Grundriss unterbringen?

Als Vorlage diente uns Studierenden die ehemalige Schuhfabrik Hugi in Dulliken. Gleich zu Semesterbeginn besichtigten und dokumentierten wir das hundert Meter lange Bauwerk aus den 1930er-Jahren. Das Fabrikgebäude wurde bereits zum Wohnhaus umgebaut, hat aber seinen ursprünglichen Charakter behalten. Die Laubengänge und die überhohen Innenräume mit Betonrippendecken wurden bewahrt. Für unsere Aufgabe wurde der Planungsperimenter auf eine 95 Quadratmeter grosse, lang gestreckte Loftwohnung begrenzt. Ich erarbeitete ein Raumorganigramm und fragte mich dabei, wie ich die Loftwohnung so ausbauen kann, dass sie optimal auf meine Schwerhörigkeit zugeschnitten ist.

Modellfoto.

Mein Hörgerät ist mir im Alltag ein unentbehrliches Hilfsmittel, doch Zuhause trage ich es oft nicht und bewege mich gehörlos. Das hilft mir, mich zu entspannen. Die Gehörlosigkeit hat meine visuelle Wahrnehmung gestärkt. Sie ermöglicht mir auch das Verstehen durch Lippenlesen. In vielen Wohnungen verhindert aber die Raumaufteilung, dass ich die anderen Räume einsehen kann. Als Kind konnte ich Zuhause die Rufe meiner Eltern nicht akustisch orten und auch heute gelingt es mir trotz Hörmittel nicht immer, mit Personen in einem anderen Raum zu kommunizieren.

Die Innenarchitektur-Studentin Kyra Lüthi hat eine Wohnung entworfen, in der sie trotz ihrer Schwerhörigkeit mit Menschen in anderen Räumen kommunizieren kann.

Deshalb habe ich die Wohnung in der Hugi-Fabrik so konzipiert, dass ich viel Durchblick habe. Den Raum, in dem ich mich am meisten aufhalte, habe ich durch ein Podest erhöht und im Zentrum platziert. Es ist dies die Küche, wo ich auch esse. Von diesem Raum aus kann ich idealerweise in alle anderen Räume sehen und gehen. Gleichzeitig habe ich raumhohe Glastrennwände eingesetzt, die Durchblick gewährleisten und meinen gestalterischen Ansprüchen entsprechen. So kann ich am Esstisch sitzen und eine andere Person anhand meiner Sicht orten und besser mit ihr kommunizieren. Neben diesem funktionalen Aspekt, der den Grundriss formt und organisiert, waren weitere innenarchitektonische Elemente zentral für den Entwurfsprozess. Die Materialisierung spielt mit der Farbgestaltung zusammen und erzeugt die von mir gewünschte Raumatmosphäre.

Modellfoto

Das ‹Räumliche Selbstportrait› hat mir aufgezeigt, was meine spezifischen Bedürfnisse sind und wie ich diese in einer Wohnung umsetzen kann. Mir wurde bewusst, dass die Wohnungen, in denen ich gewohnt habe, eben nicht meinen akustischen und visuellen Bedürfnissen entsprachen. Der Grundriss der vom mir geplanten Wohnung erlaubt es mir dagegen, lautlose Räume zu sehen und durch Wände hindurch zu kommunizieren.

Grundriss

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