Aus dem ‚Gehen‘ als kritischen Prozess können wir neues architektonisches und städtisches Wissen schöpfen.

In der Stadt auf dem Weg

Das Gehen in der Stadt hat eine lange Tradition. Einen Höhepunkt fand es mit den Situationisten. Aus dem ‚Gehen‘ als kritischen Prozess können wir auch heute noch neues architektonisches und städtisches Wissen schöpfen.

Das Gehen in der Stadt hat eine lange Tradition. Einen Höhepunkt fand es mit den Situationisten. Die Situationistische Internationale kritisierte den urbanen Raum und unterbreitete eine neue Organisation der Lebenszeit und dementsprechend eine neue Theorie der Stadt. Aus dem ‚Gehen‘ als kritischen Prozess können wir auch heute noch neues architektonisches und städtisches Wissen schöpfen.

Wie spaziert es sich in Hans Bernoullis Gesellschaft auf dem Boden einer Stadionbrache? Das untersuchte ‚Lerjentours‘, die ‚Agentur für Gehkultur’ auf dem Areal des ehemaligen Hardturmstadions in Zürich. Im Rahmen des Festivals ‚Gestohlene Räume‘ las man ausgewählte Texte aus der 1946 erschienenen Publikation ‚Die Stadt und ihr Boden‘, in der Bernoulli eine städtische Bodenreform vorstellte. Im Rahmen des gta MAS Programms, in dem wir uns ein Semester dem Werk des Basler Architekten gewidmet haben, war nicht nur das Lesen des Textes bedeutungsvoll, sondern auch das Spazieren durch die Stadt.

Der Spaziergang durch die Stadionbrache war nur der erste von mehreren. Als nächste Aufgabe übten wir MAS Studierenden uns an der Kritik zeitgenössischer Architektur. An halbtags organisierten Exkursionen hatten wir Gelegenheit einen Stadtteil zu erkunden, ein Gebäude zu besichtigen und schliesslich einen kritischen Ausblick auf die Stadt zu geben. Das Gehen ist dabei zwar eine vordergründig einfache Tätigkeit, die oft passiv und unbemerkt durchgeführt wird. Aber zu Fuß haben wir das richtige Tempo, um unsere Umgebung wahrzunehmen. Das zeigte auch das Seminar «Lernen von der Stadt Zürich»: Die Stadt ist Teil unserer Kultur, ein Palimpsest und lebendiger Atlas des städtischen Raumes in dem wir uns bewegen. Die wilden Sechzigerjahre sind zwar vorbei, aber das forschende Gehen mündet immer noch in revolutionären Erfolgen.

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