Brennvorgang

Gebranntes Holz und alte Bücher

Für die Ausstellung «Prag – Engelberg – Luzern» in der Zentral- und Hochschulbibliothek Luzern bekamen die Innenarchitektur-Studierenden der HSLU den Auftrag ein Kabinett für rare Exponate mittelalterlicher Buchmalerei zu entwerfen. Unsere Campus-Autorin Anna Kanai erklärt ihre Vorgehensweise.



Am Anfang des Projektes stand eine Wettbewerbsausschreibung im Fachbereich Innenarchitektur. Es galt einen abgedunkelten Raum im Katalogsaal der Zentral- und Hochschulbibliothek Luzern zu schaffen für rare Exponate mittelalterlicher Buchmalerei der Ausstellung «Prag – Engelberg – Luzern». Wir fanden es sehr inspirierend, der Architektur von Otto Dreyer unsere eigene entgegenzusetzen. Wie wir aber bald merkten, lag die Herausforderung des Projektes darin, einen Ausstellungsraum für die bereits vorhandenen Vitrinen in einer räumlich überzeugenden Anordnung zu planen, ohne bereits die Abfolge oder Zuordnung der einzelnen Exponate zueinander zu kennen.
 
Wir definierten unsere Hauptaufgabe darin, die Kostbarkeit der farbenprächtig illustrierten Handschriften hervorzuheben. Als Inspiration diente uns dabei das Museo del Oro in Bogotá, wo fein bearbeitete Goldobjekte vor dunklem Hintergrund in einer Weise inszeniert werden, dass sie von sich aus zu strahlen scheinen. Brennen als natürliches Verfahren zur Schwärzung der Holzoberflächen war konsequenterweise das geeignete Mittel, eben diese Kostbarkeit zu betonen. Immerhin hatten es die Exponate geschafft, unversehrt all die Jahrhunderte zu überdauern. Wir waren aber selber erstaunt darüber, wie sich durch den Brennvorgang ein Billigholz wie Seekiefer in eine edel maserierte Oberfläche verwandelte. Diese dunkel strukturierten Wandflächen machen das Innere des Kabinetts aus. Im Aussenraum hingegen sind die Platten roh belassen.

So wurde die Architektur von innen her geplant. Zwei erhöhte Lichtschächte, präzise zwischen die bestehenden Hängeleuchten eingepasst, betonen die skulpturale Qualität der architektonischen Aussenhülle. Als weitere und letzte Schicht zieren grafische Bänder die Ein- und Ausgänge des Kabinetts. Es sind aus den Handschriften herausgelöste Embleme, übersetzt in eine zeitgenössisch abstrahierte Formensprache.

* Anna Kanai studiert an der Hochschule Luzern (HSLU) im 5. Semester Innenarchitektur. Das beschriebene Projekt hat sie zusammen mit Julia Spirig konzipiert und aufgebaut. Der Dank dank der Beiden geht an Gratschi, «ohne den dieses Projekt nicht zustande gekommen wäre».

Bei Interesse und angemessener Transportmöglichkeit können am Morgen des 6. Aprils die einseitig gebrannten Platten vor der ZHB Luzern zum freien Gebrauch abgeholt werden. (Höhe 250 cm, Breite varierend von 80 bis ca. 1.20, Plattenstärke 2.7cm)

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