Kaffeekapseln werden zu Türme, die Jacke zur Tunika und Zimtstangen zu Markttischen: Collage eines phönizischen Markts in Palermo.

Ge-Schichten durch Raum und Zeit

Aus dem geplanten Studienaufenthalt in Palermo wurde für die Designstudentin Alissa Furler ein Zuhausebleiben. In ihrem Campus-Beitrag erzählt sie, wie sie trotzdem eine Reise machte.

Viele Reisende suchen im Ausland das, was eben die fremde Kultur ausmacht, vom Essen bis zum Nachtleben. In meiner Semesterarbeit wollte ich herauszufinden, was Palermo zu Palermo macht. Ich wühlte mich durch die Geschichte der Stadt und lernte ihre unterschiedlichen Einflüsse kennen. Ich stiess ich auf verschiedenste Völker, Ereignisse und Traditionen, die den Ort prägten. Deshalb entschied ich mich, eine Auswahl davon in Collagen nachzuerzählen und aus den Einzelteilen ein grosses Ganzes zu schaffen. Ich verkleidete mich mit allem, was bei mir so rumlag: ein Schal wurde zum Turban, ein gelber Mantel verwandelte mich in eine Banane und aus Kaffeekapseln baute ich die Türme der alten Stadt. So entstanden Collagen, die Ausschnitte der Geschichte Palermos zeigen.

Nachgestelltes von Mafiatreffen: die Mitglieder sind tätowiert und verbrennen Heiligenbilder als Initiationsritual.

Dabei wurde alles, was ich mir unter Kultur vorgestellt hatte, über den Haufen geworfen. Meine Collagen zeigten mir, dass Kultur ein Gewebe ist. Alles, was in der Stadt geschieht, wird ein Strang im grossen Ganzen. Es gibt keine authentische palermitanische Kultur, denn sie ergibt sich laufend aus den vorhergegangenen Ereignissen: Palermos Märkte sind durch die arabischen Suks geprägt und die barocke Architektur kam im Schlepptau der Spanier nach Palermo. Heute würde man sagen, diese Gebäude und Märkte gehören zur Kultur Palermos. Sie sind aber genau genommen weder spanisch, arabisch oder palermitanisch, sondern eine Mischung, die sich aus der einzigartigen Konstellation in Palermo ergibt.

Flüchtlinge im Hafen von Palermo: Das Bild versucht die Hoffnungslosigkeit und die Erleichterung dieser Menschen darzustellen. Dem gerecht zu werden, scheint schier unmöglich.

Ähnlich sieht es bei meinen Bildern aus: Gegenstände aus meinem Alltags werden Teil der Geschichte Palermos. Dabei werden sie weder palermitanisch, noch bleiben sie meine Objekte, sondern sie verweben sich im Bild. Kultur ist also ein Gemenge verschiedenster Einflüsse, egal wie oder wo diese entstehen. In Palermo schichten sich die verschiedenen Stränge noch heute übereinander,  in Schichten auf und bilden was Palermo heute ist, was jeder andere Ort ist: Eine Anhäufung von verschiedenen Einflüssen in ein Bild verwoben – eine Collage eben.

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Kommentare

R. Furler 18.09.2020 17:08
Ich hoffe du ( wir) kannst (können) die Reise irgendwann nachholen.
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Ich kann das Bild nicht lesen