Beest

Einen Schweizer Game-Stil entwicklen

Sich von anderen Games abheben ist nicht nur das Ziel des Computerspiel ‹Beest›, sondern ein wichtiges Thema für die ganze Schweizer Game-Industrie.


Ein Gespräch auf der Dachterrasse der Zürcher Hochschule der Künste. Die Sonne scheint, es ist warm und es geht um Bienen. Nicht um die auf der Terrasse des Toni-Areals, sondern um die Protagonisten im Computerspiel ‹Beest› der beiden Game Design-Studentinnen Martina Hugentobler und Alice Ruppert.

«‹Beest› ist eigentlich ein klassisches Action Game», finden Alice und Martina. Ganz so klassisch ist die Spielidee von ‹Beest› dann aber doch nicht. Den beiden Bachelor-Studentinnen ging es vor allem um eins: Sie wollten den typischen Inhalt des Genres umdrehen. Statt möglichst alles zu töten, was sich einem in den Weg stellt, sollen die Bienen von einem tödlichen Parasitenbefall befreit werden. Ziel des Spiels ist es, kranke Tiere zu retten. Mit dieser positiven Botschaft will sich das Spiel von anderen abheben. Ganz nebenbei sensibilisiert das Projekt für ein aktuelles Thema: das Bienensterben.

Sich von anderen Games abheben ist nicht nur das Ziel von Alice und Martina, sondern ein wichtiges Thema für die ganze Schweizer Game-Industrie. Erst seit ein paar Jahren kann man von einer solchen überhaupt erst sprechen und noch befindet sie sich in den Kinderschuhen. Als Einsteiger in der Szene ist es für die Schweiz besonders wichtig, eine eigene Nische zu finden, um sich auf dem internationalen Markt der Games behaupten zu können. «Für die Schweiz macht es wenig Sinn, mit den Produkten einer grossen Game-Industrie zu konkurrieren. Man kann im Vergleich nur verlieren, da hier nicht die gleichen finanziellen und personellen Ressourcen zur Verfügung stehen», erklärt Philomena Schwab. Sie untersucht in ihrer Masterthesis die Schweizer Game-Industrie. Sie ist optimistisch, es gehe voran in der Schweiz. Statt grosser Firmen seien es die kleinen bis mittelgrossen Unternehmen, die sich mit innovativen Games einen Namen machten. Insbesondere in Zürich, Genf und Lausanne etabliere sich eine Independent-Szene.

Ausbildungsstätten wie die ZHdK spielen dabei eine bedeutende Rolle: Mit ihrem Fokus auf Innovation und Vielfalt unterstützten sie den Aufbau einer unabhängigen Szene abseits des Mainstreams, erklärt Philomena Schwab. «Für Dozierende und Studierende ist die Studienvertiefung Game Design sowohl Chance, Auftrag als auch Verantwortung, ein noch junges Medium durch eine eigene Handschrift zu prägen und neue Denkansätze anzustossen.» Das Ziel heisse: einen Schweizer Stil zu entwickeln. So zieht es die Studentinnen Martina Hugentobler und Alice Ruppert auf der Dachterrasse des Toni-Areals auch nicht ins Ausland zu den Riesen der Game-Industrie. Lieber wollen sie beim Aufbau einer neuen Szene dabei sein.
 

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