Lonely in the Crowd Fotos: Jan Huggenberg

Die Ansprechhilfe

Der Interaction Designer Jan Huggenberg will Menschen im öffentlichen Raum miteinander in Kontakt bringen. Sein Lösungsansatz ist eine interaktive Installation.

Hundebesitzer wissen es schon lange: Tiere kennen keine Hemmungen, sie gehen auf fremde Menschen zu und stellen so Kontakt her. Für Jan Huggenberg wurde diese Beobachtung zum Ausgangspunkt für ein Projekt mit dem Ziel, dem coolen Stadtmenschen spielerische Auswege aus der Anonymität zu bieten. Ein höchst relevantes Thema, werden doch bis im Jahr 2050 gemäss UN-Schätzungen 70 Prozent der Weltbevölkerung in Städten leben. «Aus einer Begegnung mit einer Fremden könnte sich die nächste Beziehung entwickeln», so Huggenberg, der aktuell an der Zürcher Hochschule der Künste sein Master-Studium absolviert. Doch in der Schweiz wird Distanz gehalten. «Der soziale Raum des anderen wird bei uns extrem respektiert. Spricht man jemanden ohne offensichtlichen Grund an, wird man komisch angeschaut.»
Also hat Jan Huggenberg sich daran gemacht, den öffentlichen Raum so zu gestalten, dass die Hürde zum Kontaktaufnehmen kleiner wird. Die Idee:«Jeder Mensch braucht einen virtuellen Hund.» Seine Installation basiert auf einer 3-D-Kamera, die menschliche Körper erkennt. Geht nun ein Mensch beispielsweise einer Wand entlang, erscheint mittels Projektion ein Schwarm geflügelter Wesen auf der Wand. Die Wesen signalisieren dem Spaziergänger Interesse und nehmen Kontakt mit «ihrem Herrchen» auf. Betritt eine zweite Person gefolgt von ihrem Schwarm die Szene und wird eine kritische Distanz zwischen den beiden Personen unterschritten, beginnen die Schwärme der beiden Personen zu interagieren – und in der Folge ihre «Besitzer».
Jan Huggenberg hat seine Installation bereits bei verschiedenen Gelegenheiten gezeigt, zuletzt an der «Touch»-Ausstellung im mudac in Lausanne, weitere Ausstellungen sind in Planung. Die bisherigen Erfahrungen haben gezeigt, dass der Grundgedanke der Installation funktioniert: «Ich erhalte sehr viel gutes Feedback. Die Leute haben Spass, sie probieren aus, was geht.» Und Begegnung ist dank dem Interaction Designer nichts Flüchtiges: «Wer interagiert, wird mit einem farbigen Muster belohnt, das permanent an die Wand projiziert wird.» Eine Stadt à la Huggenberg wäre somit nicht nur eine Stadt, deren Bewohner mehr miteinander sprechen, sondern auch eine ziemlich bunte Stadt.

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