Der Walt ist längst ein Teil der Stadt. Fotos: Sören Davy

Der Stadtwald

Wir zersiedeln die Schweiz um einen Quadratmeter pro Sekunde. Aber die ‹Natur› wächst auch. Die Wälder der Schweiz nehmen um 1,4 Quadratmeter pro Sekunde zu. Sie sollten stärker geplant werden.

Wir zersiedeln die Schweiz um einen Quadratmeter pro Sekunde. Es ist die Sünde die der Architekt begehen muss. Er muss wertvolle Landschaft irreversibel verbauen, um dem Siedlungsdruck nachzukommen. In der langatmigen Kritik der Zersiedelung haben wird jedoch oft das Gut vergessen, welches wir als schützenswert betrachten: das Landschaftsbild. Die ‹Natur› wächst nämlich auch. Die Wälder der Schweiz nehmen um 1,4 Quadratmeter pro Sekunde zu, vor allem in den südlichen Kantonen, deren Alpwiesen regelrecht verwalden. Das ist eine beinahe aggressive Verbrachung der Kulturlandschaften die wir vor der Zersiedelung schützen wollen. Und den Wald schützen wir mit einem Bundesgesetz.

Rund 18 Prozent der Wälder wurden seit mindestens 50 Jahren nicht mehr bewirtschaftet und gelten somit als ‹natürlich›. Die Vorstellung von Natur als Urzustand vor menschlicher Intervention ist dabei gleichermaßen konstruiert, wie das Bild der Schweizer Kulturlandschaft. Eine Natur ohne Mensch gibt es in unseren dicht besiedelten Räumen seit Jahrhunderten nicht mehr. Ein ortsspezifischer Umgang mit den Wäldern ist somit gefragt, befreit von einer bundesweiten gesetzlichen Regelung.

In der Stadt Zürich ist der Wald mit 25 Prozent der gesamten Stadtfläche vor See und Fluss der grösste Erholungsraum für Städter. Es heisst, uns stehen 8 Quadratmeter Grünfläche pro Einwohner zur Verfügung (in München 25, in Hamburg 13). Zählt man jedoch die Waldflächen dazu, kann der Zürcher sich auf 65 Quadratmetern erholen. Unsere Wälder sind Parks, denen die Stadt den Rücken zukehrt, um den Blick über den See und die Alpen zu wahren.

Während Ihre Nutzung bis ins frühe 20. Jahrhundert den anliegenden Höfen vorbehalten war sind sie heute durch Eingemeindung, Landtausch und Aufkauf im öffentlichen Besitz und fester Bestandteil städtischer Infrastruktur. Heute sind zwei Drittel der Wälder im Kanton im öffentlichen Besitz. Ein Drittel gehören Privaten oder Verbänden, die vereinzelt auch in der Stadt Zürich Waldwirtschaft betreiben. Die Stadt Zürich dehnt sich heute entlang der Täler aus und umspült dabei das unveränderte Forstareal mit Siedlungsraum. Das ehemalige Hinterland ist beinahe vollständig bebaut und erstreckt sich zu beiden Flanken der heute zentral gelegenen Stadtwälder. Die müssen nun zwischen den alten und neuen Quartieren vermitteln.

Zürich verfügt über 130 Kilometer Waldrand der nun in einem unmittelbaren Verhältnis zur Stadt steht. Seine Planung wird seiner Bedeutung nicht gerecht.

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