In Leutschenbach fehlt die Dichte für Läden in den Erdgeschossen der Hochhäuser. Fotos: Sören Davy

Das Unten vom Hohen

Das Hochhaus hat im Westen und Norden von Zürich Konjunktur. Doch weniger die Höhe ist entscheidend, als das, was sich im Fusse der neuen Türme abspielt.


Seit über einem Jahrzehnt erlebt die Schweiz und insbesondere die Stadt Zürich nach einer Ära der Skepsis und Ablehnung eine Konjunktur von Hochhäusern. Während die bisherige Entwicklung Hochhäuser vor allem auf grossen Arealen begünstigte, stellt sich heute vermehrt die Frage nach dem langfristig anhaltenden Potential dieses Bautyps bei der Verdichtung der Stadt im Allgemeinen.

Die Richtlinien für die Planung von Hochhäusern folgt den linearen, sich gegen Westen ausdehnenden Industriearealen mit ihren heterogenen Massstäben und der Ringstadt im Norden von Zürich. Der heimliche Konsens liegt im Freihalten der dominanten Silhouetten der Hügelkette des Zürich- und Uetlibergs, des Blicks über den See in die Berge und der Altstadt. Die Topographie schreibt schon lange ihre Werte in die Textur der Stadt ein, und somit sind die Hochhäuser Zürichs in das Flachland verdammt.

Jenseits von Politik hatten die Grundeigentümer jeglicher Industriebrachen Interesse an einer Ausnutzungssicherung, welche die vertikalen Volumen gewährleisteten. Es stellt sich jedoch die Frage, was die Stadt an einem Hochhaus zu gewinnen hat. Spezifischer: Was passiert im Erdgeschoss? Wieviele Plätze schenken wir dem Tiefbauamt aus Konsequenz des 2-Stunden-Schattens? Braucht Zürich in solch grossmasstäblichen Quartieren überhaupt noch Freiraum, der dann in Konkurrenz mit einem schwachen Strassenraum steht?

Der verschwindende Detailhandel setzt eine gewisse Dichte voraus, um ökonomisch zu sein – die ist in Leutschenbach und Altstetten momentan nicht vorhanden. Cafés, Bars und ähnliche programmatische Pflaster haften nicht lange; auch die Lobbyhalle ist in Zürich komplett fremd. Wenn wir von typologischer Transformation sprechen: Sollten Hochhäuser nicht aus einem Gewerbesockel herauswachsen? Das grossflächige Besetzen der Erdgeschosse mit Mensen, Fitnessstudios oder Werkhöfen würde eine schon vorhandenen Quartieridentität stärken. Das politische Abfeilen von 50 auf 40 Metern Höhe ist irrelevant. Uns sollte interessieren, was auf den ersten 5 Metern geschieht.

*Sören Davy studiert an der ETH Zürich Architektur und ist Redaktionsmitglied der Architekturzeitschrift Trans.

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