Das Haus Wittgenstein (1926) entwarf der Philosoph Ludwig Wittgenstein zusammen mit dem Architekten Paul Engelmann für seine Schwester Margarethe Stonborough. Wie die Referenten der laufenden Architektura-Vortragsreihe war er kein ausgebildeter Architekt. Fotos: Thomas Helmlinger

Aus der Reihe

Wie soll die zukünftige Lehre an der ETH Zürich aussehen? Um das zu diskutieren, organisieren die Studierenden des Fachvereins architektura Vortragsreihen zur Architekturlehre.

«Die Arbeit an der Philosophie ist – wie vielfach die Arbeit an der Architektur – eigentlich mehr die/eine Arbeit an Einem selbst. An der eigenen Auffassung. Daran, wie man die Dinge sieht (Und was man von Ihnen verlangt).» Ludwig Wittgenstein
 

Rund 120 Studierende schliessen jährlich ihr Masterstudium in Architektur an der ETH Zürich ab. Wie und von wem sie ausgebildet werden, hat einen grossen Einfluss auf die in den nächsten Jahrzehnten in der Schweiz entstehende Architektur. Wie der Beruf, hat sich auch die Architekturlehre über die Jahre verändert.

Seit der Eröffnung der sogenannten Bauschule Gottfried Sempers, befindet sich die Ausbildung an der ETH immer wieder im Wandel. Seit 2013 arbeitet das Departement nun abermals an einer neuen Studienordnung. Auch wir Studierendenvertreter aus dem Fachverein architektura arbeiten daran mit. Durch die grosse Anzahl Emeritierungen von D-ARCH-Professoren in den kommenden Jahren stellt sich zudem die Frage, welche Lehrer die künftigen Architektinnen und Architekten prägen sollen.

Als Plattform für die angehende Architektengeneration, sich zu diesem Thema Gedanken zu machen und auszutauschen, hat der Fachverein architektura eine Vortragsreihe lanciert. Wir rufen alle Studierenden jedes Semester dazu auf, Referenten vorzuschlagen und an einer offenen Versammlung vorzustellen, zu diskutieren und zu wählen. Unter dem Thema «on teaching architecture» präsentierten vier ausgewählte Gäste Ende 2014 ihre Vorstellung von Architekturlehre.

Frei nach dem Motto «Das Berufsbild verändert sich an den Rändern» wollten wir mit der Fortsetzung der Vortragsreihe im darauf folgenden Semester die Revision des Curriculums mit Blicken aus der Berufspraxis anreichern – Blicke von Personen, deren Schaffen das Berufsfeld der Architektur tangiert oder überlappt, nur einer von ihnen war tatsächlich Architekt. Insbesondere die Frage, welchen zukünftigen Herausforderungen sich der Beruf des Architekten stellen muss und inwieweit die Ausbildung überhaupt auf diese Änderungen reagieren soll und kann, reflektierten die Referenten vom Standpunkt ihres jeweiligen Berufszweiges.

Auch im laufenden Semester setzt sich die Reihe fort. Diesmal sind «Architekturfremde» Personen eingeladen, denen eine Architekturausbildung zwar fehlt, deren Schaffen aber eng mit der Architektur verwoben ist. Der Blick von Aussen ist es, der uns am Berufsweg der Referenten interessiert. Wie nimmt man Architektur wahr, wenn man beruflich mit ihr konfrontiert ist, aber selbst über keine Architekturausbildung verfügt? Wie wird die Arbeit von Architekten erfahren und beurteilt?

Das Interesse an der Vortragsreihe und das Engagement der Studierenden zeigen nicht nur die Relevanz des Themas, sondern auch die dringende Notwendigkeit einer Revision des Studienreglements. Die Vortragsreihe ist dabei nicht nur Diskussionsplattform, sondern ermöglicht auch, neue oder andere Perspektiven in das entstehende Curriculum einzubringen. Darüber hinaus verdeutlicht sie einmal mehr den engen Bezug zwischen Architekturausbildung und -praxis. Sie hat sich dabei als Vehikel bewiesen, das die Lehrplanrevision sicher überdauern – und vielleicht sogar Motor für die nächste Überarbeitung wird.


*Janina Flückiger und Moritz Berchtold studieren Architektur an der ETH Zürich. Beide engagieren sich seit drei Jahren im Fachverein der Architekturstudierenden – der architektura – und sind seit Beginn an der Konzeption und Durchführung der Vortragsreihe beteiligt.

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