Architektur studieren, als Hochbauzeichnerin arbeiten

«Im Studium darf ich Fehler machen, bei der Arbeit nicht», fasst Tina Sommer, die an der ZHAW berufsbegleitend Architektur studiert, den Unterschied zwischen Ausbildung und Beruf zusammen.

Die neuen Fächer klingen vielversprechend: Bürobetrieb, Baukosten, Haustechnik, Tragwerkslehre, Wahlpflichtfach und natürlich Entwurf und Konstruktion. Möglichst praxisnahe soll es sein. Darum haben wir uns ja auch für den berufsbegleitenden Studiengang entschieden. Nur leider sind wir die letzten, die auf diese sinnvolle Art und Weise unsere Ausbildung abschliessen dürfen. Die Semesteraufgabe im Fach Entwurf und Konstruktion lautet: Bauen für Sportler. Für die erste Stunde im Semester treffen wir uns am kleinen, verlassenen Bahnhof Avenches im Kanton Waadt. Wir bekommen eine Führung durch das Nationalgestüt und lernen viel über Pferde und deren Haltung. Auf einer Lichtung im Zürcher Wald sollen wir für den fiktiven Pferdesportverein «PSV Witikon» eine Reitanlage erstellen. Das Raumprogramm gibt einen Boxenstall, eine Gruppenhaltung, eine Reithalle, einen Springplatz, Nebenräume, Weide, Lagerhalle, Wohngebäude und einen Miststock vor, die es gekonnt zu arrangieren gilt. Eine spannende Aufgabe, die mir viel Freude bereitet, gerade weil ich bis jetzt noch keinen vergleichbaren Bau realisieren durfte.
Zwei unbeschwerte, studienfreie Monate haben wir hinter uns. Natürlich habe ich während den Semesterferien anstelle von achtzig, hundert Prozent gearbeitet. Trotzdem sind mir die beiden Monate wie Ferien vorgekommen. Im Alltag dauert es einige Zeit, bis ich wieder im Studium-Modus bin. Montag und Dienstag arbeiten, Mittwoch Studium, Donnerstagmorgen arbeiten, am Nachmittag studieren, Freitag arbeiten. Das Studium bedingt vor allem eine gute Terminplanung. Die Pläne für das Büro müssen rechtzeitig fertig sein, Hausaufgaben und die Abgaben im Fach Entwurf und Konstruktion müssen bewältigt werden. Zu Hause wartet der Haushalt auf mich, und die Hobbys sollen auch nicht zu kurz kommen. Schlaf, Essen und Freizeit werden bekanntlich überbewertet.
Noch bin ich als Hochbauzeichnerin angestellt, möchte jedoch im Entwurf Erfahrungen sammeln. In der Ausführungsplanung kenne ich die Abläufe und weiss wie ich vorgehen muss. Im Entwurf muss ich noch viel erfragen und lernen. Das Studium hilft mir dabei, doch vieles vom Gelernten konnte ich noch nicht im Berufsalltag anwenden. Im Studium darf ich Fehler machen, bei der Arbeit nicht. Diese einfache Tatsache hemmt mich noch, ganz in die Architekturabteilung zu wechseln. Jetzt gilt es alle Hemmungen zu überwinden und den Schritt zu wagen. Eine neue Herausforderung wartet. Ich freue mich und starte mit frischer Motivation ins fünfte Semester.

* Tina Sommer studiert im 5. Semester berufsbegleitend Architektur an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW).

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