Crash Test Dummies im Flugzeug Fotos: NASA via Wikimedia Commons

Architektur auf Schreckensfahrt

Die Redaktion des trans-Magazins befasst sich mit der Geschwindigkeit des Architektursystems und setzt seine Hoffnung auf die Jugend.

«Die Geschwindigkeit beschreibt, wie schnell und in welcher Richtung ein Körper oder ein Phänomen im Lauf der Zeit seinen Ort verändert», definiert Wikipedia. Die Redaktion des trans Magazins befasste sich ein halbes Jahr lang mit dem Thema Jugend. Der Begriff der Geschwindigkeit kam im Laufe der Entwicklung der kommenden Ausgabe mehrmals zur Sprache und schien in der Beschreibung der momentan herrschenden Lage der Gesellschaft und der Architektur sogar ein zentraler Begriff zu sein.

Die Wikipedia-Definition beschreibt die Geschwindigkeit als Masseinheit. Sie selbst ist keine Entität, sondern braucht eine solche, um sie zu beschreiben. Das ist meistens ein simples Unterfangen, am Beispiel des fahrenden Autos ist Geschwindigkeit selbsterklärend: Die Räder, der Fahrer, die Karosserie und das Gepäck im Kofferraum sind mit der gleichen Geschwindigkeit in eine Richtung unterwegs. Was würde es aber bedeuten, wenn die einzelnen Teile des fahrenden Autos nicht bloss ihre eigenen Geschwindigkeiten, sondern sogar ihren eigenen Richtungsvektor besitzen würden? Das Vehikel wäre grossem Stress ausgesetzt. Es wären zusätzliche Schrauben und Bolzen nötig, um es zusammenzuhalten. Das Vorwärtsfahren würde zu einem Kampf der Einzelteile.

Wir nehmen uns die Freiheit und ersetzen die Begriffe des Autos mit denen des heutigen Feldes der Architektur. Die Räder werden zum ausführenden Bauen, der Fahrer multipliziert sich zu Architekten, Ingenieuren und Fachspezialisten, die Karosserie zu unserer Gesellschaft samt ihren Ansprüchen, und das Gepäck verkörpert unsere Geschichte. Alle streben mit unterschiedlicher Eigengeschwindigkeit in verschiedene Richtungen und bloss Bedingungen, Normen und Regeln halten sie zusammen. Währenddessen bringt der Motor der Ökonomie das laute Ungetüm auf Touren und in unkontrolliertes Schaukeln. Unser Beispiel soll nicht die Architektur vertechnisieren, sondern das Bild einer Schreckensfahrt malen, auf der die Architektur festgefahren ist. Die Unfähigkeit einander zu vertrauen und einen Blick die Strasse hinunter in Richtung Zukunft zu werfen, lassen uns auf der Stelle kreisen. Wir begreifen, dass wir uns alle gleichzeitig entmächtigt haben.

Dem System weitere Regulationen hinzuzufügen, würde die Lage bloss verschlimmbessern. Wir müssen wieder Verantwortung für unser Handeln übernehmen. In dieser Lage setzen wir grosse Hoffnungen auf die Jugend. Es ist Zeit eine Haltung zu entwickeln, Zeit über diese Haltung zu reflektieren. Der Wille miteinander zu sprechen sollte kein Luxus sein, sondern fester Bestandteil unserer Berufe. Nur durch eine Neuorientierung der einzelnen Bauberufe lässt sich das komplizierte System entwirren und ein besser funktionierendes Ganzes entwickeln. Denn mal ehrlich: Wer verfasst schon gerne unnötig viele Formulare?

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