Salomé Bäumlin: Grautöne aus weisser und schwarzer Wolle, Marokko 2014

Als Künstlerin Designerin sein

Salomé Bäumlin hat in Luzern den Master of Arts in Design abgeschlossen und davor an der Hochschule der Künste Bern studiert. Wie können Kunst und Design voneinander lernen?

Künstler reflektieren und diskutieren die Gesellschaft aus ihrer spezifischen Haltung und Arbeitsweise heraus. Im Prozess der Kunst können und müssen alle Fragen zu jeder Zeit gestellt werden. Im Design dagegen sind die Möglichkeiten für Fragen zeitlich und konzeptuell bestimmt. Es ist ein klar definiertes Ziel zu erreichen, das sich am Nutzer orientiert. Wohl kennt auch der Designprozess verschiedene Phasen, die zum Teil von künstlerischem Denken geprägt sind. Doch ist dabei der Spielraum viel kleiner. So kann ich etwa, wenn ich als Designerin für einen Teppichproduzenten arbeite, nach einer Entwicklungsphase von drei Monaten nicht mit einem Audiofile daherkommen und angeben, der beste Teppich sei ein Klangteppich.

Wie geht eine Künstlerin mit dieser Determinierung im Design um? Wie kann sie etwa Fragen der Konsumkritik einbringen? Endet die Entdeckungsreise mit der Feststellung, dass die Welt Dinge genug hat, dass die Menschen nicht noch mehr Produkte brauchen, dass also keine neuen Angebote geschaffen werden sollten?

Natürlich ist es so, dass auch Artefakte der Kunst der Gefahr ausgesetzt sind, unsere Ressourcen zu verschleudern. Sie sind aber im besten Falle dazu geeignet, das Nachdenken über das Leben und seine Bedingungen auszulösen. Kann das auch für das Design gelten? Und welche Fragen wären zu stellen? Das sehr bewegliche Denken der Kunst ist hier hilfreich, erzeugt es doch eine wachsende und sich wechselseitig befruchtende Fülle an scheinbar unmöglichen Lösungen. Sobald wir zu früh ausschliessen oder Voraussetzungen festlegen, ist die Kreativität eingeschränkt, die Gedanken bewegen sich in bekannten Bahnen, und anstelle von Erneuerung macht sich Frustration breit. Auch im Design sollte sich die Reflexion umfassender mit dem Umfeld eines Produktes befassen und nicht nur mit den marktwirtschaftlichen Anforderungen. Denn die Gestaltung des ganzen Entwicklungsprozesses bestimmt weitgehend über den Lebensentwurf von Produzierenden und Konsumierenden. Die Art der Produktion steht in enger Wechselwirkung mit der möglichen Kreativität und künstlerischen Freiheit.

Ein grosses Plus des Designs kann es sein, dass der Entwicklungsprozess auf verschiedene Menschen verteilt wird. Gemeinschaftliches Denken und Arbeiten kann dabei zum Zuge kommen unter der Bedingung, dass die Zusammenarbeitenden auch einen gestalterischen und gedanklichen Freiraum haben. Die Vorgaben und Einschränkungen im Design kommen einer Konzentration auf bestimmte Anforderungen gleich, die dazu führen kann, dass die Künstlerin sich stärker mit dem Umfeld von Artefakten auseinandersetzt, dass sie das Werk nicht isoliert betrachtet und dabei den Attributen der Produkte und den Entstehungsprozessen mehr Gewicht gibt.

* Salomé Bäumlin hat den Master of Arts in Design, Spezialisierung Textiles, an der Hochschule Luzern – Design & Kunst mit ihrer Abschlussarbeit «Teppich – geknüpfte Lebenswelten, Inspiration Zen» abgeschlossen. Zuvor hat sie an der Hochschule der Künste Bern Kunst studiert. Sie erhielt für ihre Arbeit den Frauenkunstpreis 2014.

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