Augmented Biologieunterricht
Interaction Design-Studierende der ZHdK haben eine Applikation entwickelt, die Wissen über den weiblichen Zyklus vermittelt. Im Campus erklären sie ihr Projekt.
Euer Projekt heisst ‹Ovulation Cycle Experiment› – worum geht es?
Iris Prelorentzou *: ‹Ovulation Cycle Experiment› ist eine ‹Augmented Reality-Experience›, die seine User über den weiblichen Zyklus informiert. Dabei kommen die physische und die digitale Welt zusammen. Das geschieht über ein ‹Vision Pro›-Headset von Apple. Die Person, die das Headset trägt, sieht gleichzeitig ihre reale Umgebung und virtuelle Elemente, die über eine Software digital hinzugefügt werden.
Noel Kampus *: Die App visualisiert, wie sich der Hormonhaushalt während des Eisprungs verändert. Wir wollen ein Thema in den Schulunterricht integrieren, das sonst nicht vorkommt. Die Vermittlung soll interaktiver, immersiver und emotionaler sein als in klassischen Lehrbüchern. Die App funktioniert aber nicht als eigenständiges Lehrformat, sondern als eine Ergänzung.

Warum habt ihr euch für dieses Thema entschieden?
Iris: Wir haben es ganz bewusst gewählt, weil es in unserer Gesellschaft tabuisiert und schambehaftet ist. Der weibliche Zyklus ist aber viel zu wichtig, wir müssen offen darüber sprechen können. Wir wollen die Gesundheitsversorgung von Frauen im Allgemeinen thematisieren, denn aufgrund des ‹Gender Health Gap› zirkulieren oft lückenhafte oder gar falsche Informationen. In der App haben wir die Komplexität des Themas reduziert und spielerische, interaktive Komponenten eingebaut, damit wir junge Menschen besser erreichen können.
Wie funktioniert die Applikation?
Iris: In der Mitte Raums schwebt das Ei. Die Nutzer*innen können sich darum herumbewegen und es von allen Seiten betrachten. Die Aufgabe ist es, Hormone auf die Eizelle zu ziehen. Wenn alle Hormone platziert sind, wird eine Reaktion ausgelöst. Über kleine Fenster lassen sich weiterführende Informationen abrufen.
Wie ist die Umsetzung abgelaufen?
Noel: Die Aufgabenstellung lautete, eine Lern-App für das ‹Visual Pro›-Headset in den Disziplinen Physik, Chemie oder Biologie zu entwickeln. Dabei sollten wir in erster Linie technische Fähigkeiten erlernen. Die Arbeit war dann aber konzeptioneller als ursprünglich gedacht.
Iris: In unserer Vierergruppe suchten wir Ideen und entwarfen einen Projektplan. Dann kümmerte sich die einen um die Programmierung und die technische Umsetzung, die anderen beschäftigten sich mit den Visualisierungen und Animationen. Es war schön zu sehen, wie alle ihre Expertise einbringen und zugleich Neues lernen konnten.
Noel: Die Gruppendynamik war immens, alle mussten Verantwortung übernehmen. Wir lernten auch zu akzeptieren, dass die Zeit nicht immer reichte, gute gestalterische Ideen technisch umzusetzen.
Worauf seid ihr besonders stolz?
Noel: Der Stil der App ist abstrakt und unterscheidet sich so von herkömmlichen Lehrmitteln. Gleichzeitig unterstützen wir die visuelle Erfahrung mit Ton. Durch ‹Spatial Audio› wird die räumliche Wahrnehmung verstärkt und noch immersiver gemacht.
Iris: Da es wenige Darstellungen von Hormonen gibt, entwarfen wir sie von Grund auf selbst und investierten dafür viel Zeit. Wir wollten eine eigenständige und frische visuelle Identität schaffen und gleichzeitig inhaltlich präzis sein.
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* Iris Prelorentzou und Noel Kampus haben die Applikation ‹Ovulation Cycle Experiment› gemeinsam mit Elena Fabrikant und Jonathan Gartenmann konzipiert und umgesetzt. Alle vier studieren im 6. Semester Interaction Design an der Zürcher Hochschule der Künste (ZHdK).