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Verwaltungsgebäude Genf: «Konservieren und Generieren»

Text: Andres Herzog / 8.12.2010 00:00

 
Was ist die Erfindung am Siegerprojekt?
Maurice Berrel: Für uns bestand die Erfindung in der Herangehensweise an den Entwurfsprozess. Durch die extrem hohe Präsenz des Bestandes, einem Bürohochhaus, welches frei in einem Park steht, haben wir uns gegen die Implantation eines alles generierenden Konzepts entschieden. Stattdessen wurde der Bestand akribisch analysiert, um das vorhandene Potenzial ausfindig zu machen. Die so entdeckten Qualitäten wurden dann gestärkt, ergänzt und weiter entwickelt und das Neue und das Alte zu einem untrennbaren und schlüssigen Ganzen verwoben. Der Neubau verbessert somit auch den Bestand massiv. Das erweiterte Erdgeschoss wird mit einer Sockelfassade verbunden, übernimmt die bestehende Topografie des jetzigen Aussenraums und wird als öffentliche Zone mit Restaurant und Konferenzräumen genutzt. Die neue Fassade besteht aus vorfabrizierten Betonelementen, die im Ausdruck an den Bestand anlehnen. Sie webt in ihren Proportionen und in der Anordnung der Öffnungen sowie in ihrer Materialität den Ausdruck des bestehenden Gebäudes in zeitgemässer Weise weiter.

Wie verhält sich das Projekt zur Umgebung?
Das Volumen reiht sich in seiner Massstäblichkeit und Ausprägung in die bestehende Bebauungsstruktur aus den 1970er-Jahren ein, welche aus hohen, orthogonalen, nordsüdlich orientierten Gebäuden besteht. Die Setzung des Bestandes inmitten eines Parks wird durch das direkte Anfügen des neuen, schmalen Volumens beibehalten und der Abstand zur Strasse und zu den umliegenden Wohnhäusern bleibt genügend gross. Der Bereich zwischen dem erweiterten Verwaltungsgebäude und der Avenue Edmond Vaucher wird als grosszügiger und offener Rand des Parc des Franchises verstanden.

Wo lagen die grössten Schwierigkeiten im Wettbewerb?
Der Entwurf war ein permanentes Abwägen zwischen Konservieren und Generieren. Jeder vorgefundene Aspekt wurde auf seine Qualität hin hinterfragt: Was lässt sich erhalten und mit welchen Konsequenzen? Worin bestehen die wertvollen Spezifitäten des vorgefundenen Bürobaus aus den 1970er-Jahren und was ist aus heutiger Sicht nicht mehr wünschenswert? Wie lassen sich die gegenwärtige städtebauliche Situation und der Ausdruck erhalten trotz einer annähernden Verdoppelung des bestehenden Volumens? Wie kann die Topografie des offenen Erdgeschosses weiterhin genutzt werden, jedoch nicht mehr als Aussenraum sondern als Sockelgeschoss? Ab wann wird die geforderte räumliche und strukturelle Flexibilität banal?
Weiter war das Organisieren der Bürogeschosse, ohne die räumlichen Qualitäten zu vernachlässigen, eine Herausforderung – insbesondere wegen der hohen Anforderungen an Sicherheit und Flexibilität sowie den Vorgaben des Bestandes in Typologie und Raumhöhe.

Erweiterung Verwaltungsgebäude, Genf

Offener Projektwettbewerb mit 40 Architekturteams für das BBL Bundesamt für Bauten und Logistik.
- 1. Rang: ARGE: Herzog Dominik Architekt, Zürich, und Berrel Berrel Kräutler AG, Zürich. Mit ASP Landschaftsarchitekten, Zürich, Ulaga Partner AG, Basel, BLM Haustechnik AG, Zürich, und Securiton AG, Bern.
- 2. Rang: CH Architekten AG, Wallisellen.
- 3. Rang: Aebi & Vincent architectes, Genf.
- 4. Rang: Trinca Omar, Lausanne.
- 5. Rang: dl-a, designlab-architecture SA, Carouge-Genève.
- 6. Rang: groupement bfik architectes HES und Tekhne SA, Fribourg.

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