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Die Kamera immer dabei: Ai Weiwei
Die Kamera immer dabei: Ai Weiwei

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Ai Weiwei: Never Sorry

Text: Meret Ernst / 7.09.2012 13:47

Foto: zVg

Ganz am Schluss des packenden Dokumentarfilms «Ai Weiwei: Never sorry» tritt der chinesische Künstler und Dissident Ai Weiwei vor die Kameras der Weltöffentlichkeit und muss die gleichen Worte wiederholen, mit denen sich die Mächtigen so gerne um ihre Verantwortung drücken: «So sorry». Worte, die er stets kritisierte. Die Situation zwingt ihn dazu. Er dürfe kein Interview, keinen Kommentar geben: So lauteten die Bewährungsauflagen, mit denen er nach 81 Tagen Haft in eine Art Halbfreiheit entlassen wurde. Haben es die chinesischen Behörden geschafft, den Künstler mundtot zu machen? Die letzten Bilder vermitteln eine andere Aussage. Sie zeigen den manisch über Twitter kommunizierenden Ai Weiwei, wie er ein Dankeslied singt und sich dabei selber mit seinem iPad aufnimmt. Damit bedankt er sich bei all den Menschen, die mit kleinen und grossen Geldbeträgen helfen, die drakonische Strafe wegen einer angeblichen Steuerschuld zu begleichen. Die Chancen stehen gut, dass Ai Weiwei die auferlegte Sendepause bestens genutzt hat. Man freut sich jetzt schon auf seinen nächsten Schachzug gegen die kommunikativ stets unterlegenen Gegner.



Die amerikanische Regisseurin Alison Klayman hat Ai Weiwei während drei Jahren eng begleitet. Ihre Kamera geht mitten ins Geschehen. Klayman beobachtet den Künstler, zeigt sein Atelier in Peking mit den vierzig Katzen, spricht mit Mutter, Bruder, seiner Ehefrau und der Freundin, mit der er einen unehelichen Sohn hat. Sie montiert alte Filmausschnitte und Material aus den Achtzigerjahren, als Ai Weiwei in New York zum Künstler wurde. Sie befragt Weggefährten, Künstlerkollegen, Bloggerinnen, Journalisten. Sein Aufstieg – zumindest in der westlichen Wahrnehmung – begann mit der Mitarbeit an Herzog de Meurons Bird's Nest und der Weigerung, an den offiziellen Festlichkeiten der Olympiade 2008 in Peking teilzunehmen. Längst ist Ai Weiwei ein Markenzeichen für Meinungsfreiheit geworden, wie er selber zugibt – inzwischen auch in China. Und man versteht, wieso: Er nutzt die digitalen Medien als Ausdrucksmittel. Er weigert sich, zwischen Kunst und Leben einen Unterschied zu ziehen, was ihn in unseren Augen zu einem Künstler macht, der sich auf Marcel Duchamp bezieht und Andy Warhol ins digitale Zeitalter weiterdenkt. Er hat ein Ziel. Er kämpft für Meinungsfreiheit. Die künstlerischen Strategien erwarb er sich im Westen. So sei er stärker von den Hearings der Iran Contra Affäre als vom Tiananmen-Massaker geprägt worden, das er aus New York am Fernsehschirm verfolgte: Statt auf Revolution zielt er darauf ab ein System mit seinen eigenen Fehlleistungen zu konfrontieren. Ob er in China erreicht, wofür er im Westen gefeiert wird, bleibt letztlich offen. Einzig fällt auf, dass die westlichen Journalisten im Film Ai Weiwei stets nach seiner Angst vor staatlicher Repression ansprechen. Ein chinesischer Journalist will dagegen wissen, wieso der Künstler als unverbrüchlicher Optimist, der sein Land liebt, in Bezug auf China und seine Entwicklung immer so pessimistisch wirke. Gemeint hat der Journalist wohl defätistisch.


Die Dokumentarfilmerin Alison Klayman arbeitet vor allem die gesellschaftlichen und systemverändernden Intentionen von Ai Weiweis Arbeit heraus. Das scheint sie stärker zu interessieren als sein künstlerisches Werk oder seine Stellung innerhalb der zeitgenössischen chinesischen Kunst. Zu kurz kommen die Werke, die er inzwischen von einem Heer von Assistenten herstellen lässt. Wie kommt er zu seinen künstlerischen Lösungen? Welche Rolle spielt die Architektur in seinem Werk? Woran knüpft er an? Wie wird sein Werk in China rezipiert? Dafür hätte es freilich einen distanzierteren Blick gebraucht. So bleibt es bei einem faszinierenden Porträt eines Menschen, der in seiner Energie kaum zu fassen ist. Auch deshalb, weil  er in den digitalen Medien ein kongeniales Ausdrucksmittel für das, was ihn antreibt, gefunden hat. Stets ist er seinen Gegnern und seinen Freunden einen Schritt voraus.

Regie: Alison Klayman. Mit: Weiwei Ai, Dan Ai, Yunchang He, Tehching Hsieh
. USA 2012, 
DCP, 35mm - Farbe - 90 Minuten
. OV/deutsche Untertitel

Ai Weiwei: Never sorry. Filmstart Zürich 13. September

Vorpremière Dienstag, 11.9., 12.15 h, Arthouse Le Paris, Zürich

Anschliessendes Publikumsgespräch mit Christine Heller, China-Länderkoordinatorin Amnesty International, Urs Stahel, Direktor Fotomuseum Winterthur. Moderation: Elke Kania, Uni Köln

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