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Architektur im Bergell

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Die polnische Zeitschrift «Architektura» widmet der Sanierung des Zentralbahnhofs zwanzig Seiten. (Foto: JC) Der Bahnhof «Warszawa Centralna» in der weiträumigen Stadtlandschaft. Rechts das Einkaufszentrum «Zlote Tarasy». (Foto: JC) Grundriss des Erdgeschosses mit dem Bahnhof in der Mitte. Oben die «Zlote Tarasy», unten das Hotel «Marriott». Die Grünfläche rechts gehört zum riesigen Platz um den Kulturpalast, um dessen Bebauung seit 20 Jahren gestritten wird. (Plan: Werner Huber) Der gleiche Planausschnitt im Untergeschoss: das Passagensystem des Bahnhofs mit den darunter liegenden Perrons. Rechts, angeschnitten, der S-Bahnhof. (Plan: Werner Huber) Querschnitt durch Perrons und Halle. (Plan TePe, Bearbeitung Werner Huber) Das weit ausladende Vordach überdeckt die Bahnhofvorfahrt. (Foto: JC) Die grosse Halle ist der beste öffentliche Raum in Warschau aus dieser Epoche. (Foto: JC) Verkaufspavillons und eine Bank brechen als neue Zutaten das orthogonale Raster. (Foto: JC) Im ehemaligen Wartsaal im Obergeschoss gibt es ein Café. (Foto: JC) Im Café im Wartsaal haben die alten Bänke überdauert. Sie wurden sorgfältig saniert. (Foto: JC) Die Passagen im Untergeschoss wurden von den Einbauten und vom Schmutz befreit. Links führt die Treppe in die Bahnhofhalle. (Foto: JS) Der Granitboden stammt aus der Bauzeit, die Ladenfronten und die Signaletik sind neu. (Foto: JS) Die Wandpaneele aus Marmor vom Typ «Weisse Marianne» stammen von 1975. Die Öffnungen links gewähren den Blick aufs Perrongeschoss. (Foto: JS) Für ein Passagengeschoss gab es kaum Platz, weshalb zahlreiche Niveausprünge den Anschluss an die Stadt schaffen. (Foto: JC) Im mittleren Bereich ist die Perronhalle doppelgeschossig. Anders als beispielsweise in Bern ist auch sie sorgfältig - mit Granitboden - gestaltet. (Foto: JS) An den Perronenden ist der Raum niedriger; die Bänke stammen aus der Entstehungszeit von 1975. (Foto: JC) «Warszawa Centralna» ist lediglich Zwischenstation. Die Züge enden und beginnen im Ost- oder im Westbahnhof. (Foto: JC)

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Warschau: Wiedergeburt einer architektonischen Perle

Text: Werner Huber / 20.02.2012 14:02

Foto: Jakub Certowicz (JC) und Juliusz Sokolowski (JS)

Die Architektur unserer Väter hat es schwer. Dies zeigt sich zurzeit beim unsorgfältigen Umbau des von Trix und Robert Haussmann gestalteten unterirdischen Teils des Zürcher Hauptbahnhofs (siehe HP 3/12). Dass es auch anders geht, zeigt die Sanierung des Warschauer Zentralbahnhofs. Eröffnet wurde «Warszawa Centralna» im Dezember 1975, pünktlich zum Besuch des sowjetischen Parteichefs Leonid Breschnew am Parteitag der polnischen Kommunisten. Der Bau war ein Schlüsselobjekt der Ära unter Parteichef Gierek, entsprechend wichtig war die propagandistische Rolle, die er spielte. Den architektonischen Qualitäten tut dies keinen Abbruch – insbesondere wenn man den Warschauer Bahnhof mit seinem Gegenstück in Bern vergleicht, der eine ebenso lange und komplizierte Planungsgeschichte hatte und 1974 eröffnet worden war.

Niedergang ist kein Grund zum Abbruch

Ende der Achtzigerjahre zeigte sich «Warszawa Centralna» noch im ursprünglichen Zustand. Die Anlage war zwar schlecht unterhalten, es war düster und roch schlecht, aber die architektonischen Qualitäten des Werks von Arseniusz Romanowicz und Piotr Szymaniak waren noch vorhanden. Der Niedergang setzte ein, als sich Kioske und Verkaufsstände ansiedelten und der Kommerz wucherte. Der Zentralbahnhof, der eine Visitenkarte der Hauptstadt sein sollte, wurde zu einem grauenvollen Ort.

Die Polnischen Staatsbahn PKP wollten ihn abbrechen und an seiner Stelle ein Einkaufszentrum mit Perrons im Untergeschoss bauen. Wie das herausgekommen wäre, sieht man gleich gegenüber beim Einkaufszentrum «Zlote Tarasy», einer städtebaulichen und architektonischen Fehlleistung. Zum Glück wurde Polen ein Austragungsort der Fussball-EM 2012, zum Glück reichte die Zeit bis dahin nicht für einen Abriss und Neubau, zum Glück hat die PKP erkannt, dass sie in diesem Gebäude die Gäste der EM nicht empfangen kann. Und zum Glück wurde das Team von Towarzystwo Projektowe (TePe) mit dem Auftrag betraut.

In Romanowiczs Geist

Jerzy Porebski und Grzegorz Niwinski, die beiden Inhaber von TePe, haben die Qualitäten des Gebäudes erkannt und wieder sichtbar gemacht. Und sie haben der Versuchung widerstanden, dem Bahnhof ihre Handschrift zu verpassen. Sie liessen sich vom Werk Arseniusz Romanowiczs leiten, befreiten Hallen und Passagen von allen Einbauten, reinigten die Oberflächen, installierten neue Decken und eine helle Beleuchtung und gaben so dem Gebäude seine ursprüngliche Kraft zurück. Die neuen Ladeneinbauten in den Passagen, die heute zu einem grossen Bahnhof gehören, halten sich als Glaskonstruktionen angenehm zurück, die Werbeflächen sind geschickt in die Architektur integriert. Einzig die Verkaufspavillons und die lange Bank in der grossen Halle brechen aus dieser Ordnung aus. Es sind Objekte, die sich klar vom Gebäude absetzen, wie wenn sie nur temporär hier stehen würden.


Ein ausführlicher Beitrag zur Geschichte und zur Sanierung des Gebäudes publizierte Werner Huber in der «Neuen Zürcher Zeitung». Die polnische «Gazeta» nahm den Beitrag auf.

Bildergalerie: «Zürich HB – Die Haussmann-Welt in ihrer Blütezeit

«Unheil in der Unterwelt»: Werner Huber über den unsorgfältigen Umbau des S-Bahnhofs von Trix und Robert Haussmann

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