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Die Überbauung Am Hof setzt in Köniz einen städtischen Akzent jenseits der Bahnlinie.
Die Überbauung Am Hof setzt in Köniz einen städtischen Akzent jenseits der Bahnlinie.

Architektur

Punkt und Zeile

Text: Werner Huber / 14.09.2012 08:00

In den vergangenen zehn Jahren hat das Zentrum von Köniz sein Antlitz gründlich geändert: Am Bläuackerplatz entstanden die grossmassstäblichen Bauten des Gemeindehauses und des Einkaufszentrums, die Schwarzenburgstrasse wurde umgebaut und beruhigt. Nun ging der Wandel auch jenseits der Bahnlinie weiter: Auf dem Areal der alten Migros entstand die Überbauung Am Hof, die gemeinschaftliches Wohnen insbesondere für Ältere anbietet — oder, wie man sagt, «für Menschen in der zweiten Lebenshälfte ». Der Wettbewerb hatte 2006 stattgefunden, nach einigen Planungsschlaufen war 2010 Baubeginn. Die Anlage besteht aus dem leicht geknickten Zeilenbau zwischen der Landorfstrasse und dem Gleis der BLS und dem Punkthaus in der Kurve der Landorfstrasse. Zusammen mit dem Bahntrassee spannen die Häuser einen zweiseitig gefassten Hof auf. An dessen Rand begleitet ein öffentlicher Fussweg die Bahnlinie.

Das Punkthaus ist im Grundriss als Parallelogramm gestaltet und wirkt beim Blick vom Ortszentrum her schlank und elegant. Von der anderen Seite hingegen tritt das fünfgeschossige Volumen markant in Erscheinung und setzt einen kräftigen Akzent am Gelenk zwischen Zentrum und dem einst gewerblich geprägten Quartier. Die vier Wohnungen pro Geschoss sind windmühlenartig an den Treppenhauskern gelegt. Grosszügige Eckbalkone bieten einen schönen Ausblick und gestatten — dank der leichten Ausdrehung — auch den Blick aufs eigene Haus.

Waren im Wettbewerb zur Erschliessung des Zeilenbaus noch fünf Treppenhäuser vorgesehen, erschliesst im realisierten Gebäude ein Laubengang die Wohnungen. Nischen und Verglasungen machen ihn zur Begegnungszone. Die Wohnungen sind mit einem z-förmigen Grundriss von Fassade zu Fassade aufgespannt, wobei die eher öffentlichen Bereiche dem Laubengang, die privaten Zonen der Gartenseite zugeordnet sind. Eine grosszügige Loggia erweitert den Wohnraum. Die Erdgeschosse beider Häuser sind mit Läden, Dienstleistungen und einem Gemeinschaftsraum öffentlich genutzt. Die umlaufenden Deckenstirnen aus Sichtbeton unterstützen die Geometrie der Baukörper, dazwischen sind Fenster und geschlossene Wandteile eingespannt — diese sind mit dunklem Welleternit verkleidet, der die gewerblich-industrielle Vergangenheit des Areals aufnimmt.

Gemeinschaftswohnen am Hof, 2011

Landorfstrasse, Köniz BE

– Bauherrschaft: Gebäudeversicherung Bern; Losinger Construction, Köniz; Genossenschaft Zukunftswohnen, Wallisellen

– Totalunternehmung: Losinger Construction, Köniz

– Architektur: Durrer Linggi Architekten, Zürich; BEM Architekten, Baden

– Landschaftsarchitektur: Hager Partner, Zürich

– Kosten (BKP 1–9): CHF 23 Mio.

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