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In Sevilla stellt Jürgen Mayer H. der kleinteiligen Altstadt eine riesige Dachlandschaft gegenüber.
In Sevilla stellt Jürgen Mayer H. der kleinteiligen Altstadt eine riesige Dachlandschaft gegenüber.

Architektur

Organisch und orthogonal

Text: Andres Herzog / 10.02.2012 20:39

Foto: Anual via Wikimedia

Das Vitra Design Museum in Weil am Rhein zeigt derzeit Rudolf Steiners Denken und Werk in all seinen Fassetten. Im Rahmen der Ausstellung über den Begründer der Anthroposophie lud Vitra Jürgen Mayer H. ein, um über «architektonische Metamorphosen» zu sprechen. Er sei kein Steinerspezialist, meinte der deutsche Architekt. «Assoziationen überlasse ich ihnen.» Die beiden kommen aus ganz unterschiedlichen Welten und Zeiten. Und doch kann man in ihrem Bestreben hin zu organischen, scheinbar gewachsenen Formen eine Parallele sehen. Während Steiner aber das Volumen seines Goetheanums in Dornach mit Knetmodellen erprobte, entwirft Mayer H. mit digitaler Präzision am Computer. Zu welchen Entwürfen dies führt, zeigte er am Beispiel des Projektes «Metropol Parasol» im spanischen Sevilla. In einer der grössten mittelalterlichen Innenstädte Europas liess er eine riesige, geschwungene Dachskulptur in den Himmel wachsen. Sie schwebt bis zu dreissig Meter über den römischen Ruinen darunter und fusst auf wenigen baumstammartigen Stützen. Die amorphe Form basiert auf einem orthogonalen Raster von 1,5 auf 1,5 Metern, das sich blindlings über die ganze Struktur legt. Dass rechter Winkel und Rundung an manchen Stellen eigenartig aufeinanderprallen, stört Mayer H. nicht. «An diesen Details sieht man, dass das Dach mit CAD entworfen wurde.» Die Träger sind aus Brettschichtholz konstruiert. Metallverbindungen, die mit einem neuen Superkleber im Holz verankert sind, ermöglichen die weiten Auskragungen. Bei der grössten Spannweite musste Mayer H. aber mogeln und auf ein Stahlfachwerk zurückgreifen. Das Material steht für ihn ohnehin nicht im Vordergrund. «Wir entwerfen zuerst ohne Baukonstruktion im Kopf.» Vom Holz ist am Schluss denn auch nichts zu sehen. Sämtliche Balken sind mit einer Polyurethan-Schicht überzogen, die sie wasserbeständig macht. Dass Steiner die organischen Formen gefallen hätten, ist durchaus möglich. Den PU-Überzug aber dürfte der Begründer der biologisch-dynamischen Landwirtschaft mit Kopfschütteln quittiert haben.

«Rudolf Steiner – Die Alchemie des Alltags»: noch bis 1. Mai 2012 im Vitra Design Museum

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Kommentare

hane fischer

10.02.2012 21:16

..wow...jacque go back home...

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